Joseph Stiglitz: Das war's, Neoliberalismus
Die Finanzkrise und die Probleme der Entwicklungsländer zeigen: Ein Vierteljahrhundert nach Reagonomics und Thatcherismus ist die neoliberale Idee gescheitert.
http://www.ftd.de/meinung/kommentare/386580.html
Die Rhetorik vom freien Markt wird selektiv angewandt - hervorgehoben, wenn sie speziellen Interessen dient, und verworfen, wenn dies nicht der Fall ist.

PS: Posting abgetrennt aus dem Geldschöpfungsthread - dies ist ein eigenes Thema.
Die Rhetorik vom freien Markt wird selektiv angewandt - hervorgehoben, wenn sie speziellen Interessen dient, und verworfen, wenn dies nicht der Fall ist.

Auch süffisant:
"Der neoliberale Marktfundamentalismus war immer eine politische Doktrin, die gewissen Interessen diente. Sie wurde nie von ökonomischer Theorie gestützt, ebenso wenig von historischen Erfahrungen." 
netter kommentar...
meine meinung:
ein system in welchem getreide verbrannt und milch weggeschüttet werden muss, um einen sog. "Preis" stabil zu halten oder zumindest für eine Handelspartei zu bessern, darf nicht überleben.
Dass Milch oder Getreide in keinem "System" vernichtet werden sollte, sollte eigentlich Allgemeingut werden.
Aber Lebensmittel vernichten oder einlagern, um "Preise stabil zu halten", gehört allerdings auch nicht in den Liberalismus, der eher freies Spiel der Marktkräfte propagiert, sondern zu "staatlichem Regularismus oder zu Protestaktionen der einzelnen Interessengemeinschaften (wie die Milchbauern zuletzt)
Das, was als Neoliberalismus verdammt wird, ist eh eine pervertierte und umgestrickte politische Doktrin, die den jeweiligen Interessengruppen diente! Wie Finanzgruppen, Ölgiganten, Rüstungskonzernen, Hedgefonds und und und...
Just my two cents.

Auch süffisant:
"Der neoliberale Marktfundamentalismus war immer eine politische Doktrin, die gewissen Interessen diente. Sie wurde nie von ökonomischer Theorie gestützt, ebenso wenig von historischen Erfahrungen."

Da muß ich unbedingt einhacken.
Das was heute als neoliberal gilt, wurde so wirklich von keinem Ökonom vertreten, außer vieleicht von den Hayekianern, welche von sich aber immer behauptet haben klassisch liberal zu sein.
Ursprünglich verstand man unter einem "Neuen Liberalismus", das was Ökonomen auch unter Ordoliberalismus oder Sozialer Marktwirtschaft verstanden, als sie erkannten, daß der Klassische Laissez-Faire nicht die gewünschten ergebnisse brachten.
Also was einst mit neoliberal gemeint war, entspricht heute mehr der Bezeichnung sozialliberal.
Zu der Bedeutungsverschiebung kam es wegen der Inkompetenz der Politiker, welche nicht verstanden haben, was ihnen die Ökonomen eigentlich mitteilen wollten.
Besonders sind hier Reagen und Theatcher hervorzuheben, welche einerseits einen kompletten Unsinn betrieben haben, andererseits von sich gaben, sich an diversen Ökonomen zu orientieren.
Kleines Beispiel:
Ja es stimmt, Friedman und Euken haben gemeint, daß im großen und ganzen die Staatlichen Wohlfahrtsinstitutionen erst einmal abgebaut werden sollten, aber andererseits sollte der Staat dafür Freibeträge an die Bürger auszahlen, damit sie sich auch private Versorgung leisten können.
Hier ist das "Vorerst" zu beachten. Sie meinten, daß es sich dann gut herauskristalisieren wird, wo und wie effektive unbürokratische Modifikationen vorzunehmen sind. (eine Gesellschaft ist nuneinmal keine Deterministische Blackbox).
Es stimmt auch, daß sie gegen starre Mindestlöhne waren, dafür aber sollte es Investivlöhne geben, welche Unternehmensgewinne und Löhne harmonisieren.
Ganz im gegenteil zu dem was immer wieder behauptet wird, waren die Liberalen nach John Meynard Keynes keine Gegenspieler des selbigen, sie wollten nur durch automatische Stabilisatoren die antizyklische Finanzpolitik effektiver gestalten.
Daß der Reale Markt nicht dem Modell des Idealen Marktes entspricht, war ihnen klar.
Nur, gab es unter Reagen und Theatcher Harmonisierungsregelungen zwischen Unternehmensgewinnen und Löhnen, gab es bedingungslose Freibeträge, wurden Automatische Stabilisatoren eingeführt, welche man in der Rezession wirken ließ?
Alles mit einem glatten Nein zu beantworten.
Wärend die einen Keynes falsch verstanden haben, und den Staat haushoch verschuldeten, haben die anderen wiederum den Staat kaputgespart, weil sie auch in der Rezession versucht haben ein Nulldefizit zu ersparen.
Politiker eben, was will man da machen?
mfg.