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Full Version: Heißlaufende Wirtschaft durch Steuererhöhungen & Austerität zähmen -Selbstversuch
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Im Staat "Exil" läuft grade die Wirtschaft richtig heiß. Etwas zu heiß, nach meinem Geschmack. Im folgenden Selbstversuch probiere ich, die Inflation und Wachstum sanft zu verlangsamen, um ein "böses erwachen nach dem Boom" zu vermeiden.



Dabei ist das Wachstum an sich eigentlich schön. Ich habe die Wirtschaft umgekrempelt, und aus dem kurzfristig gewinnorientierten Finanzsystem durch Vollgeld und Bankreform eine nachhaltig wirtschaftende, und die Gesamtökonomie unterstützende Finanzwirtschaft aufgebaut.

Man sieht den "Einbruch" (hauptsächlich negative Inflation, das reale BIP ist stabil geblieben), und die Transformationsphase recht gut in dem Diagramm.

Passend zur Transformation der Wirtschaft habe ich eine antizyklische Haushaltspolitik gefahren, und durch großzügige Staatsausgaben die Wirtschaft unterstützt. Zwischenzeitlich betrug mein Haushaltsdefizit einschl. Zinszahlungen 200 Mrd. €, aber das war absolut annehmbar (zuvor hatte ich ein universelles Gesundheitssystem eingeführt, was zwar teuer erscheint, aber sich auszahlt, wenn man im Gegenzug gesunde Bürger hat, die produktiv wirtschaften können).

Nachdem die Wirtschaft sich auf die neue Situation eingestellt hat, habe ich angefangen, das Haushaltsdefizit langsam durch Einkommenssteuererhöhungen zu verringern. Verbrauchssteuern habe ich nur geringfügig erhöht, weil sie zu Inflation führen und sozial ungerecht sind, und genau das nicht mein Ziel. Das starke Wachstum hat nach den Steuererhöhungen meinen Haushalt von 100 Mrd. € Defizit in schnellen Schritten auf 100 Mrd. € Überschuss gebracht. Geld, das jetzt wo meine Wirtschaft brummt, gut genutzt wird, um als die letzte Generation, die das Land aufgebaut hat, mit höheren Renten am Wohlfahrtsgewinn der Gesellschaft partizipieren zu lassen. Tatsächlich ist meine Rentenniveau inzwischen bei 46% des Durchschnittsnettoeinkommens (110% der LHK), und damit ungefähr genauso hoch wie in Deutschland (Ausgangssituation: Fundi-Land mit einem Rentenniveau von 15% des Netto-EKs und 60% der LHK).

Eigentlich brauche ich also kein weiteres Geld, und Steuererhöhungen halte ich in der aktuellen Haushaltslage für unsinnig. Jetzt geht mir die Wirtschaft aber (vermutlich aufgrund des hohen Forschungsgrads und durch die vielen Projekte) langsam durch die Decke. In einem relativ fortgeschrittenen Zustand (Q1xx) nochmal Wachstumsraten von über 8% reel (knapp 20% einschl. Inflation) zu sehen, ist sicher nicht alltäglich.

Ich halte das Wachstum für generisch und gesund, aber die Gefahr einer Blase will ich trotzdem nicht unterschätzen. Lieber bremse ich jetzt das Wirtschaftswachstum etwas ab, und gebe es den Leuten später über Steuererleichterungen oder höhere Staatsausgaben zurück, als dass der Staat durch die Decke geht.

Warum keine Zinserhöhungen? Zum einen, weil sie unwirksam sind (ich bin bei 1% und kann max. um 20 bps steigern), zum anderen, weil das Rumschrauben an den Zinsen besser in eine Krise führt als alles andere (Zinsen haben das time-lag Problem, was Zinsänderungen/Zinserhöhungen zu potentiellen wirtschaftlichen Massenvernichtungswaffen macht). Die Nullzinspolitik halte ich für die einzig richtige, da Geld in sich nicht produktiv sein kann. Die künstliche Geldverknappung wirkt letztendlich nicht anders als eine Steuer, mit dem Unterschied aber, dass die Zinsen woanders geschöpft werden (sprich: Steuern sind fairer für alle).

Da ich die Inflation nicht weiter anheizen will (und aus den obig genanten Gründen) sehe ich von einer Erhöhung der Verbrauchssteuern ab. Stattdessen habe ich die Erwerbssteuern angehoben, um 400 bps!, und gleichzeitig die Staatsausgaben nicht im vergleichbaren Maße angehoben (antizyklische Politik eben, die Wirtschaft läuft gut, der Staat erhöht die Ausgaben nicht). Im kommenden Quartal sollte diese Maßnahme das Wachstum sowie die Inflation abbremsen.

Sollte das ganze gut funktionieren, werde ich, sobald sich das Wachstum entschleunigt hat und ein bisschen Gras gewachsen ist, Überschüsse nutzen, um das Rentenniveau langsam auf 60% anzuheben (Deutschland 1982), was mir fair erscheint, und dann voraussichtlich die Mehrwertsteuer von aktuell 8% zurück auf 4% oder 5% bringen.
Schöner Staat. Gute Analyse. Hier ein paar Anmerkungen meinerseits.

TheLastShah Wrote:
Im Staat "Exil" läuft grade die Wirtschaft richtig heiß. Etwas zu heiß, nach meinem Geschmack. [...] In einem relativ fortgeschrittenen Zustand (Q1xx) nochmal Wachstumsraten von über 8% ... zu sehen, ist sicher nicht alltäglich.

Zur Zeit wächst die Wirtschaft um 5,18% pro Jahr (Q122). Schuldenabbau ist sicherlich sinnvoll, aber gezieltes Ausbremsen der Wirtschaft?

TheLastShah Wrote:
Nachdem die Wirtschaft sich auf die neue Situation eingestellt hat, habe ich angefangen, das Haushaltsdefizit langsam durch Einkommensteuererhöhungen zu verringern. Verbrauchssteuern habe ich nur geringfügig erhöht, weil sie zu Inflation führen...

1. Soweit ich das überblicke, hast du hauptsächlich Arbeitseinkommen höher besteuert, Kapitaleinkommen hingegen nicht. Diese Faktorungleichbehandlung verteuert den Produktionsfaktor Arbeit relativ zum Produktionsfaktor Kapital und führt zu ineffizienter Ersetzung (weniger Arbeit, mehr Maschinen).
2. Höhere Verbrauchsteuern führen zu einer Brutto-, nicht hingegen zu einer Nettopreisinflation. Meines Erachtens ist es egal, ob du das (konsumierbare) Einkommen besteuerst (1.000 Brutto minus 20% Steuer gleich 800 Netto), den Konsum hingegen nicht (800 Netto gleich 800 Brutto), oder ob du das Einkommen steuerfrei lässt (1.000 Brutto gleich 1.000 Netto), dafür aber den Konsum besteuerst (800 Netto plus 25% MWSt (entspricht 20% des Bruttopreises) gleich 1000 Brutto). Im ersten Fall verdient man weniger und zahlt weniger, im zweiten Fall verdient man mehr und zahlt mehr. Die Kaufkraft des Nettoeinkommens ist identisch.
3. Die relative hohe Besteuerung des Faktors Arbeit ist mE auch mitursächlich für die sehr hohe Arbeitslosigkeit (33,91%).

TheLastShah Wrote:
...und [weil Verbrauchssteuern] sozial ungerecht sind.

Streitbare These. Gewährleisten zumindest eine intertemporal gleiche Besteuerung. Das tut die Einkommensteuer (mit Grundfreibetrag und Progression) nicht. Dh der Konsumsteuer ist es egal, ob du jährlich 50.000 oder alternierend 20.000 und 80.000 ausgibst, während die Einkommensteuer alternierende Einkommen höher besteuert. Es ist richtig, dass die Konsumsteuer auch Existenzminima antastet. Allerdings stellt sich die Frage, ob es Aufgabe des Steuerrechts ist/sein sollte, das Existenzminimum zu gewährleisten, oder ob es dafür nicht bessere sozialstaatliche Instrumente gibt.

TheLastShah Wrote:
Warum keine Zinserhöhungen? Zum einen, weil sie unwirksam sind (ich bin bei 1% und kann max. um 20 bps steigern), zum anderen, weil das Rumschrauben an den Zinsen besser in eine Krise führt als alles andere (Zinsen haben das time-lag Problem, was Zinsänderungen/Zinserhöhungen zu potentiellen wirtschaftlichen Massenvernichtungswaffen macht). Die Nullzinspolitik halte ich für die einzig richtige, da Geld in sich nicht produktiv sein kann. Die künstliche Geldverknappung wirkt letztendlich nicht anders als eine Steuer, mit dem Unterschied aber, dass die Zinsen woanders geschöpft werden (sprich: Steuern sind fairer für alle).

1. Wenn man Steuern als Abgaben an den Staat auffasst, dann wirkt bei Staatsverschuldung ein niedriger Zinssatz (eine Ausweitung der Geldmenge/eine steigende Inflation) wie eine Steuer (die von den Gläubigern/Geldvermögenden gezahlt wird). Wenn die Staatsverschuldung negativ, dh der Staat zum (Netto-)Gläubiger wird, kehrt sich das ganze um, dh ein hoher Zinssatz (eine Verknappung der Geldmenge/eine sinkende Inflation) wirkt dann wie eine Steuer (die von den Schuldnern gezahlt wird).
2. Du hast zZt einen hohen Exportüberschuss. Eine Anhebung des Zinsniveaus könnte zu einer Aufwertung deiner Währung führen und den Überschuss verringern. Exportüberschuss bedeutet letzlich, dass du Güter auf Pump ans Ausland lieferst in der vagen Hoffnung, das Ausland werde irgendwann seine Schulden begleichen. Bei ausgeglichener Außenhandelsbilanz käme der jetzige Exportüberschuss iHv 100 Mrd. deiner Bevölkerung zugute.

https://de.ars-regendi.com/state/207491-...tail6.html

Wechselkurs, Investitionen, Exporte implodieren grade bei mir. Und ich hab keinen blaßen Schimmer warum. Ich glaube, die Matrix crasht grade meinen Staat, denn ich hab seit ein paar Ticks nicht mehr wirklich stark in die Wirtschaft eingegriffen...

Son Goku Wrote:
Wechselkurs, Investitionen, Exporte implodieren grade bei mir, und ich hab keinen blassen Schimmer warum...

Ich habe eine Vermutung, woran das liegt, äußere die aber lieber nicht, sonst kriege ich wieder einen Rüffel von optimus rex. Wink

hamma13 Wrote:

Son Goku Wrote:
Wechselkurs, Investitionen, Exporte implodieren grade bei mir, und ich hab keinen blassen Schimmer warum...

Ich habe eine Vermutung, woran das liegt, äußere die aber lieber nicht, sonst kriege ich wieder einen Rüffel von optimus rex. Wink


Geldmenge war schon erhöht, daran liegt es nicht.

Son Goku Wrote:
Geldmenge war schon erhöht, daran liegt es nicht.

Das habe ich weder gesagt noch gemeint.

Son Goku Wrote:
https://de.ars-regendi.com/state/207491-the-union-of-gargantua/detail6.html

Wechselkurs, Investitionen, Exporte implodieren grade bei mir. Und ich hab keinen blaßen Schimmer warum. Ich glaube, die Matrix crasht grade meinen Staat, denn ich hab seit ein paar Ticks nicht mehr wirklich stark in die Wirtschaft eingegriffen...


Hm, der Staat ist wirklich beeindruckend. Leider hast du kein Premium, wäre interessant, die Entwicklung zu sehen.

In Exil ist das Wachstum nach meiner Steuererhöhung gebremst. Es ist noch sehr voreilig, nach einem Quartal Schlüsse zu ziehen, aber könnt ihr sehen, wie sich das nominelle BIP-Wachstum deutlich reduziert:



Aus dem exponentiellen Wachstum wird anscheinend ein degressives Wachstum, was mir ganz recht ist. Trotz einer relativen Steuererhöhung um 10% (absolut 3% des BIPs höhere Steuerquote) ist das Wachstum nicht völlig eingebrochen, sondern liegt in diesem Quartal bei knapp einem halben Prozent.

erstaunlich, dass dein nettoeinkommen gestiegen ist. das plus and alg und rente wird doch ziemlich genau durch das minus aufgrund gestiegener einkommensteuer kompensiert.
Ich glaube, ich muss sehr bald Arbeitsreform II durchführen. Mit einer Automatisierung von über 220 bin ich doch sehr überrascht, dass es überhaupt noch Menschen in Gargantua gibt, die eine Arbeit haben...

Verbrechen ist so gut wie unbekannt, jedenfalls noch. Kaum Korruption oder Schattenwirtschaft. Gini ist bei 0.06, was bedeutet, dass Einkommen und Vermögen ziemlich fair verteilt sind. Nur die Inflation bereitet mir Kopfzerbrechen. Die ist bei fast 6% im Schnitt. Pro Quartal, nicht pro Jahr.
Dein Staat ist inzwischen bei 2,5-fachen des realen BIPs im Vergleich zum Durchschnittsstaat, dass ist ziemlich heftig. Allein in der letzten Woche ist dein reales BIP um 20-30% gestiegen, wenn ich das richtig beobachtet habe.

In „Exil“ habe ich jetzt die Arbeitsmarktreform II initiiert, nachdem ich im vergangenen Quartal die Steuern auf hohe Einkommen sehr stark erhöht habe (Aufgabe: Einkommensbegrenzung). Das Wachstum konnte durch meine vorherigen Maßnahmen nicht genügend gebremst werden, daher jetzt die AR II Reform. Ich befürchte etwas, dass mein Maßnahmenpaket zu heftig einschlägt, aber wenn ich nichts tue, dann muss ich mit noch schwereren Auswirkungen rechnen. Mal sehen, ob ich die Wirtschaft wieder „beruhigen“ kann.
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