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Full Version: Was tun mit Soziopathen?
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Mal angenommen, ihr lernt jemanden kennen. Dieser jemand offenbart sich recht schnell als narzisstischer Soziopath, jemand, denn man umgangssprachlich ein "manipulatives Arschloch" nennen könnte. Dieser jemand, wir nennen ihn mal G, ist nicht auf der Hut, und entlarvt sich selbst zunehmend in Gesprächen vor euch. Da ihr aufmerksam zuhört und die richtigen Fragen stellt, erzählt er euch bald schon über seine letzten, menschlich und moralisch schlimmen Vergehen. Da ist die Geliebte, die er hintergeht, da ist der Sohn, den er manipuliert, die Noch-Frau, die er klein hält, da ist ein Unterhaltsstreit, den er zu seinen Gunsten sabotiert, da sind einige Dinge dabei, die nicht kriminell sind, aber doch den Menschen im Umfeld von G seelisch großen Schaden hinzufügen (die eine verfällt in Drogensucht, der andere in schwere Depressionen usw.) - und das ohne Not oder Zwang seitens G. G ist bis dahin unentdeckt, er schafft es, sich selbst als Opfer darzustellen, und anderen das Gefühl zu geben, sie wären an dem Unheil selbst schuld, daher funktioniert seine Masche auch noch nach Jahren effektiv.

Und jetzt, wie aus dem Nichts, fügt G euch Schaden zu. Sagen wir zum Beispiel, er mischt euch - laut eigener Aussage unabsichtlich - etwas ins Essen, dass ihr nicht vertragt, woraufhin ihr krank werdet und dadurch ein wichtiges Ereignis in eurem Leben sabotiert wird. Als Krönung ist er nicht mal in der Lage, sich für sein Verhalten zu entschuldigen, tatsächlich schiebt er in bekannter Manier euch selbst die Schuld zu. Aber nicht nur das: Er bricht auch einen wichtigen Vertrag, mit dem ihr fest gerechnet habt, und nun entsteht euch ein signifikanter wirtschaftlicher Schaden, da ihr bereits geplant habt, und andere Opportunitäten abgesagt habt. Nichts, was nicht verkraftbar wäre, aber in der Größenordnung von 4-6 Netto-Monatsgehältern, also eine Summe, die keine Lappalie darstellt.

In diesem Szenario hat G keine weiteren Mittel gegen euch in der Hand, d.h. Handlungen gegen ihn wären weitestgehend sanktionslos, sehen wir mal von Straftaten seitens G gegen euch ab. Ihr hingegen habt mehr oder weniger einen Ordner voll mit seinen Verfehlungen.

Wie geht ihr vor? Und warum? Ich bitte um ganz ehrliche Meinungen, aus eurer Perspektive. Ich bin neugierig, was würdet ihr tun?
Ein durch und durch interessantes Problem.

Zuallererst wäre allerdings zu bedenken, dass die Prämisse G hätte "nichts mehr gegen uns in der Hand" höchst unwahrscheinlich ist; Narzisstische Soziopathen werden so gut wie IMMER einen Weg finden einem Ziel ins Leben zu pfuschen wenn sie es erst einmal als "Feind" identifiziert haben und es als wichtig genug empfinden dieses zu tun. Das gilt vor allem dann, wenn es Überschneidungen in den jeweiligen sozialen Vernetzungen gibt.

Dementsprechend sehe ich zwei generelle Herangehensweisen:
1. Die Entfernung dieses Individuums aus meinem Leben ohne Antipathien zu verursachen.
2. Den Spieß umdrehen, G so zu manipulieren dass G von uns sozusagen so sehr abhängig wird dass ein uns Entfernen von G zu einem absoluten Bruch des Charakters führt der so stark ist, dass G keinerlei Kraft zur Vergeltung hat und alles tun wird um unsere Gunst zurückzuerlangen.
Das "süchtige" Streben nach dem Wohlwollen Anderer unter der Illusion diese Anderen zu "beherrschen", die vollkommene Identifikation mit dieser Illusion, die darauf basierende Definition des "Selbst" ist sowohl der Grund für den "Erfolg" vieler Soziopathen und Narzissten, aber gleichzeitig ihre größte Schwäche.

Natürlich gibt es viele taktische Optionen, aber generell sehe ich diese zwei Strategien als die einzig möglichen.
Man sollte solche Menschen, sozusagen, physisch aus der Gesellschaft entfernen. Dazu könnte man das Recht dahingehend ändern, dass seelische Grausamkeit, eine Straftat würde -- natürlich sollte das bewiesen sein. Wenn aber mehrere Menschen, immerwieder bezeugen, dass ein und der selbe, sie zur Sucht, zum Selbstmord, in den Ruin getrieben hat, dann sollte man G. wegsperren.

Sonst hilft nur eins. Menschen für den Umgang mit G.s sensibilisieren. Persönlich kann man da nur abstand halten.

Titian Wrote:
Dementsprechend sehe ich zwei generelle Herangehensweisen:
1. Die Entfernung dieses Individuums aus meinem Leben ohne Antipathien zu verursachen.
2. Den Spieß umdrehen, G so zu manipulieren dass G von uns sozusagen so sehr abhängig wird dass ein uns Entfernen von G zu einem absoluten Bruch des Charakters führt der so stark ist, dass G keinerlei Kraft zur Vergeltung hat und alles tun wird um unsere Gunst zurückzuerlangen.
Das "süchtige" Streben nach dem Wohlwollen Anderer unter der Illusion diese Anderen zu "beherrschen", die vollkommene Identifikation mit dieser Illusion, die darauf basierende Definition des "Selbst" ist sowohl der Grund für den "Erfolg" vieler Soziopathen und Narzissten, aber gleichzeitig ihre größte Schwäche.

Natürlich gibt es viele taktische Optionen, aber generell sehe ich diese zwei Strategien als die einzig möglichen.


Das sehe ich genauso.

@TheLastShah
warum lässt du irgendeiine person der du offensichtlich nicht vertrauen kannst, in die nähe deines essens bzw. gehst mit dieser essen?
Es gibt zwar nur noch wenige sachen die nciht nachgewiesen werden können aber recht schützt einen nur begrenzt vor schaden.

Eine person wie du sie beschriebn hast bin ich mal losgeworden indem ich seine manipulationsversuche dazu genutzt habe um ihn lächerlich zu machen.
Er behauptete Fregattenkapitän zu sein, konnte allerdings nicht erklären was Nautik ist.
Interessanterweise wurde er dann angeblich verlegt...
Blöd ist halt eben dass das alle anderen mitbekommen haben.
Manipulierende Soziopathen merken irgendwann, dass ihre glaubwürdigkeit aufgebraucht ist. wenn das die das nciht merken, sind sie zumindest nicht ganz so intelligient und da eher in anderen belangen anders gefährlich.
Natürlich distanzieren. Und vergeben. Wer weiß, was den Typen zu dem gemacht hat, was er ist? Nach einer berechtigten Wut- und Hassphase ist das einizige, was einen damit abschließen lässt, Vergebung.

Das Distanzieren ist natürlich umso schwerer, je mehr man geschäftlich oder gar familiär in so eine Beziehung verstrickt ist. Dann muss man halt versuchen, den Schlusstrich so sauber wie irgend möglich zu ziehen und demzugunsten unter Umständen noch größere Abstriche zu machen bereit sein, als ohnehin schon unausweichlich. Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.

Also wenn es ein Nachbar ist, den man nicht los wird: Umziehen. Bei einem Kollegen oder Chef, den man nicht los wird: Kündigen. Die einzig wirklich schwierige Situation scheint mir ein Sorgerechtstreit.
Distanzieren ist mit Sicherheit die reife und angemessene Antwort, etwas, dass ich - normalerweise - in einer akuten Situation auch empfehle. Für die eigene Psychohygiene / Seelenfrieden ist das, was hier einstimmig vorgeschlagen wird, und von Malone im letzten Beitrag ausformuliert wird, die langfristig gesündeste Option.

In diesem Fall war das Denkspiel aus der Kombination von spieltheoretischer und psychologischer Sicht interessant. Eine in der Theorie risikofreie "Revange" wird in der Praxis durch einen reifen und erwachsenen Geist verworfen, mit einer schlüssigen Ratio: Welchen Wert hat "Rache" gegenüber den Kosten, die eine weitere Beschäftigung mit dieser Angelegenheit verursacht? Ich hätte mich selbst - wie alle anderen in diesem Thread dazu entschieden, mir selbst zu vergeben, und die Person einfach aus dem Leben zu entfernen.

Das Update habe ich heute bekommen, und teile es gerne hier:

Im diesem Fall [Auflösung: Der Fall stammt von einem Klienten] entschied sich die betroffene Person nach dem Abklingen der

Malone Wrote:
berechtigten Wut- und Hassphase

gezielt 4 Stunden zu investieren, um einen weltlichen Ausgleich herbeizuführen - also das Karma selbst in die Hand zu nehmen. Mit dem Ergebnis, dass jetzt, laut meinem Stand, die zukünftige Exfrau informiert ist, und die nötigen Mittel in die Hand bekommen hat, um nicht leer auszugehen, sondern auf einen Teil des Vermögens zurückgreifen kann, welches durch G geschickt versteckt wurde [wohl an die 400.000 €]; die zukünftige Ex-Freundin über die Affären des G informiert ist; und der älteste Sohn Gs über die abfälligen Äußerungen seines Vaters über ihn Bescheid weiß.

Diese Geschichte ist nur aus der einseitigen Perspektive einer Person, aber ich bin geneigt, den Ausführungen zu Gs Charakter weitestgehend zu glauben, daher kann ich nicht sagen, dass ich nicht unerfreut bin, über Gs Schicksal zu hören.



Abgesehen von diesem Einzelfall, hat Blitzoseq hier einen weiteren guter Gedanke aufgegriffen:

Bitzoseq Wrote:
Sonst hilft nur eins. Menschen für den Umgang mit G.s sensibilisieren.


Wie kann man Menschen für den Umgang sensibilisieren - und zwar bevor das Kind in den Brunnen fällt? Habt ihr schon mal erlebt, dass so etwas funktioniert?

Naja, sachlich über die Erfahrungen mit demjenigen berichten Noplan
@TLC: Du beschreibst ihn ja selber als narzisstischen Soziopathen. G, wie du ihn beschreibst, passt sehr gut in folgende Kriterien

Wikipedia Wrote:
Die Diagnostik erfolgt im forensischen Bereich meist mit der Psychopathie-Checkliste (PCL-R) von Robert D. Hare. Diese unterscheidet zwei Dimensionen der Psychopathie mit insgesamt 20 zu erfüllenden Kriterien:[15][16]

Dimension 1: interpersonell-affektiv
Bearbeiten
(Kernmerkmale der psychopathischen Persönlichkeit, selbstsüchtig und ausnützerisch – stabil über die Lebenszeit)

trickreich sprachgewandter Blender mit oberflächlichem Charme
erheblich übersteigertes Selbstwertgefühl
pathologisches Lügen (Pseudologie)
betrügerisch-manipulatives Verhalten
Mangel an Gewissensbissen oder Schuldbewusstsein
oberflächliche Gefühle
Gefühlskälte, Mangel an Empathie
mangelnde Bereitschaft und Fähigkeit, Verantwortung für eigenes Handeln zu übernehmen

https://de.m.wikipedia.org/wiki/Psychopathie

Psychologen sollten am Besten übliche Verhaltensweisen von Narzissten und Psychopathen für 16, 17 Jährige aufbereiten, und insbesondere Frauen in der Schule vor ihnen warnen.

Malone Wrote:
Naja, sachlich über die Erfahrungen mit demjenigen berichten Noplan


Das... und natürlich auch bei Vorliegen von solchen Typen ggf. einmal warnen.

Um es zu verdeutlichen, ein Beispiel mit Mobbing (ist nicht ganz dasselbe, aber die Konsequenz daraus ist es schon):
ich habe eine richtig üble Mobbingerfahrung hinter mir. Ich wurde von meiner direkten Vorgesetzen und ihren beiden Sidekicks in der Abteilung über mehrere Jahre teilweise subtil, teilweise absurd offen gemobbt, weil ich nicht in deren Bild und Arbeitsverständnis passte [keine Angst davor, Leistung zu zeigen und neue Systeme zu nutzen, Wessi, eigentümlich, liberal, etc.pp.). Die direkte Konsequenz aus diesem Mobbing ist egal, weil es mir gerade auf die Fernwirkung ankommt (aber das Mobbing wurde durch einen neuen Abteilungsleiter innerhalb von wenigen Wochen beendet und lebte nur noch einmal kurz direkt vor der Abteilungsschließung auf...)

Wenn ich heute in meinem Umfeld erlebe, dass sich andere so verhalten wie die drei damals, wenn ich Ansätze zum Mobbing sehe, dann rede ich mit den Leuten. Natürlich zuerst einmal mit dem potentiellen Mobbingopfer, aber eben auch mit den anderen. Manchmal (oder auch häufiger) ist es nämlich nur fehlendes Nachdenken, das zu unüberlegten und ungewollten Beleidigungen führt.
Das Reden mit dem potentiellen Opfer hat vor allem zwei Ziele: Sensibilisierung und Mutmachen. Das Opfer darf nämlich gar nicht erst zum Opfer werden.

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