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Full Version: Glaube
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Wie haltet ihr es mit dem Glauben? Ich bin eigentlich streng rational, sehr wissenschaftlich orientiert, wenn auch nicht gänzlich unverschlossen gegenüber übernatürlichen Phänomenen, bei denen ich aber Hintergründe vermute, die sich auch irgendwann mal durch die Wissenschaft erklären lassen. Mit Religion konnte ich somit nicht viel anfangen, eher habe ich sie als Eskapismus verachtet.

Ich kannte aber Kierkegaards "Sprung in den Glauben", die Trotzdem-Religiosität von Kant und bin vor einer Weile über das Konzept des Fideismus gestolpert, welches besagt, dass man sein Heil im Glauben suchen kann, auch wenn das im Grunde zur eigenen wissenschaftlichen Weltsicht im Widerspruch steht. Man erlaubt sich dabei, seinem eigenen Drang nach Glauben eine von der Ratio losgelöste Sphäre zu eröffnen.

Aber warum sollte man das tun? Weil, ach, viele Herzen in unserer Brust schlagen! So kann auch in einem von erwachsenem Verstand dominierten Menschen ein Kind schlummern, und vielleicht nicht bloß schlummern, sondern gewaltigen Terror veranstalten, wenn es höchst unglücklich ist. Und diesem berühmten inneren Kind, das nicht rational, sondern mystisch denkt, oder nicht mal das, sondern bloß fühlt, ist mit vernünftigen Argumenten nicht beizukommen.

Dadurch verliert es nicht seine Angst vor Tod, Leid und Einsamkeit. Die Vorstellung, im Leben oder danach bis in die Ewigkeit alle vertrauten Bindungen einzubüßen, ist der pure Horror. Das Konzept des leidfreien Nichtseins, das der Verstand verheißt, kann es nicht verarbeiten. Das tröstet nicht, aber wer Kinder kennt, weiß, wie wichtig Trost ist.

Man weiß auch, dass religiöse Menschen resilienter sind. Sie erfreuen sich tendenziell einer besseren psychischen Gesundheit als beinharte Atheisten. Warum also sei letzteren, vor allem den unglücklichen unter ihnen, nicht geraten, sich eine irrationale Zuflucht zu suchen? Im Interesse des eigenen Wohlergehens geböte dies sogar die blanke Vernunft!

Bei mir ist dieses spirituelle Asyl der Buddhismus, zu dem ich schon lange eine Verbindung habe, den ich aber stets als eine rein psychologische Heilslehre ansah. Ich hatte mir davon quasi einen rationalen Kern herausgeschält und bin dessen Verheißungen nachgeeifert. Um mir dann nach dreißig langen Jahren mein Scheitern einzugestehen.

Denn ich hatte das Kind nie mitgenommen, sondern vielmehr immer belehren wollen und es gar als zu bekämpfenden Quell der Verblendung angesehen. Mein bester Freund, der ebenfalls Asperger ist, stieß mich dann mit der Nase auf den Shin-Buddhismus. Es hat noch gut ein Jahr gedauert, bis ich den Wert dieser im Vergleich zum reinen Zen-Buddhismus weitaus spirituelleren Variante erkannt habe.

Und damit entschied ich mich, an das Reine Land zu glauben, in das der Buddha Amida jeden errettet, der es begehrt. Dort wird jeder erleuchtet, denn es gibt dort nichts, was einen dazu verführt, im Rad von Gier, Hass und Verblendung zu verbleiben. Samsara ist dort für alle Zeit überwunden und vielleicht erbarmt Amida sich schon dem Lebenden. Gut, wer den ersten Absatz noch nicht vergessen hat, dem dürfte klar sein, für wie bekloppt sich das für mich selbst anhören muss.

Aber was soll's? Es wirkt. Besser als Diazepam oder Alkohol. Für einen Atheisten, der keine innere Zerrissenheit spürt, weil er womöglich das Glück hatte, in Umständen aufzuwachsen, in denen er Trost und Halt erfuhr, die ihm eine Reifung ohne Schieflage ermöglichten, mag das lächerlich klingen. Das ist ok. Genauso, wie jeder andere Glaube ok ist, solange er keine Herrschaftsansprüche stellt.

Bitzoseq

Also glaubst du an Dinge, and die du nicht glaubst?

Bitzoseq Wrote:
Also glaubst du an Dinge, and die du nicht glaubst?

Es geht darum dass viele dinge ieine gewisse funktion haben, die bisher wenig beachtet wurden. Das kommt im zusammenhang mit einigen konzentrations- und entspannungsübungen. Meditation hat im fernen osten eine wesentlich intensivere kulturgeschichte und hat dadurch eine tiefere religiöse bedeutung. In Europa findet sich sowas eigentlich eher im gebet. Ergebnis offene Denken ist halt auch nicht immer so erwünscht. Dazu auch noch die einstufung von "unzüchtigen" Gedanken. Im Christentum ist Lust negativ behaftet, in den Fernöstlichen Religionen wird sie nich repressiv behandelt, bedarf dort aber auch ihrer Beherrschung und Maßhaltigkeit, wie eben alles.
Ein Problem des Atheismus ist eigentlich, dass er sich vo den Religionen distanziert, aber funktionelle elemente der Religionen nciht adaptiert werden. Deswegen sind die Gruppen an unreligiösen auch bedeutend größer, weil sie noch traditionen mittragen.
Das mit der Meditation ist eigentlich eine überraschend ernste sache, man kann sie aber auch ziemlich einach "entkitschen".
Im übrigen ist meditation bei den Evangelikalten als satanisch eingestuft Wink
Es könnte dazu führen, dass man erkennt dass viele göttliche dinge doch vom menschen ausgehen.
Ein weiterer Punkt warum es dann doch noch eine Bindung an irgendwelchen Spiritualistischen kram gibt, ist der umgang mit Schuld. Das westliche moralische Wertesystem basiert grundlegend auf Schuld und schuldbewusstsein. Das kann man über mehrer wege überwinden, mein bevorzugter ist es eindach einen Egoistischen Altruismus an den Tag zu legen und sich einfach mal klar machen, dass Schuld oft nur von der Perspektive abhängt. Man braucht kein höheres wesen, das einen für seine taten bestraft, die einen Mitmenschen betrifft es eher, als irgendeine Gottheit. Man sollte seine Mitmenschen auch nicht vorsätzlich entmündigen indem man sich ausmalt dass jegliche für sie schädliche tat wirklich so negativ ist für wie man sie hält. Wenn ich meine Verlobte betrügen würde, warum sollte es einen Gott interessieren? Sollte ich damit irgendeinen besonderen von Gott gewollten Menschen zeugen, so wäre ich dann von der Schuld befreit, weil ich ja keine andere wahl gehabt hätte. Aber die Konesequenz bleibt die gleiche. Also ist es wichtiger sich mit seinen Mitmenschen zu leben, als sich weiter seine Gedanken damit zu belasten, ob man an etwas Schuld ist. Die Mitmenschen Leiden wenn dann, die welt wird nicht besser, wenn seine Mitmenschne mit irgendwelchen religiösen regeln vergrault hat.

Bitzoseq

Man stellt als Atheist also fest dass bestimmte Dinge bei Religiösen funktionieren, die in der atheistischen Religion fehlen, also adaptiert man die Geschichten, Traditionen, würzt das ganze mit ein wenig Individualismus (Werte sind relativ) und ein wenig Quantenmechanik (die materielle Welt ist relativ). Die Geschichten und Traditionen haben aber nur den Zweck, den Gläubigen mit der Suche nach der Wahrheit zu unterstützen, sie haben keinen Wert an sich: Die reine Übernahme eines oberflächlichen Verhaltens einer Religion, ohne aber deren Inhalte zu glauben, gleicht einem Cargokult, der zwar das Verhalten der Leute auf den Landebahnen der "weißen Götter" nachahmt, aber nicht versteht, welchen Zweck dieses Verhalten hat.

@Jozilla: Wenn du deine Frau betrügst hat das nicht nur Konsequenzen im Jen-, sondern bereits im Diesseits. Ich habe das bereits eine Millionfach ausgeführt in diesem Forum: Wenn die amoral steigt, sinkt das kollektive Wohlergehen. Wohlstand ist die Konsequenz richtigen Handeln, Armut ist die Konsequenz falschen Handelns, in einer Gesellschaft in der Menschen monogam leben und sich vertrauen, entstehen starke Familien, ein gesellschaftlicher Zusammenhalt, stabile Kinder die gewappnet sind für die Gefahren dieser Welt.

Bitzoseq Wrote:
@Jozilla: Wenn du deine Frau betrügst hat das nicht nur Konsequenzen im Jen-, sondern bereits im Diesseits. Ich habe das bereits eine Millionfach ausgeführt in diesem Forum: Wenn die amoral steigt, sinkt das kollektive Wohlergehen. Wohlstand ist die Konsequenz richtigen Handeln, Armut ist die Konsequenz falschen Handelns, in einer Gesellschaft in der Menschen monogam leben und sich vertrauen, entstehen starke Familien, ein gesellschaftlicher Zusammenhalt, stabile Kinder die gewappnet sind für die Gefahren dieser Welt.

Nur komisch, dass ein Konzern wie Nestle existieren kann. Es wäre mir neu dass die Moralisch korrekt handeln. Moralsich korrektes handeln schützt nicht vor armut. Moralisch inkorrektes handeln bedeutet in vielen fällen eine bereicherung.Besonders herrlich absurd wird es wenn man moralisch fragwürdige dinge tut und diese positive konsequenzen haben.

Edit: Btw nach biblischer Moralvorstellung ist es vollkommen legitim, wenn ich mir sklavinnen zulegen würde. Ehebruch wäre Sex mit diesen nicht, wenn ich bereits verheiratet sein sollte. es wäre nur innerhalb dieses Wertesystems aber hoch verwerflich sie dann gehen zu lassen.
Da ist es das weltliche Recht, was das unterbindet.

Bitzoseq

@Jozilla
dass die den Afrikanern Wasser stehlen liegt daran, dass deren Staaten denen Lizenzen geschenkt hat, wenn sich die Afrikaner währen wollen gegen das Unrecht, kommt der Staat mit seinem Gewaltmonopol und zerschlägt den Protest. Menschen ohne Waffenrecht sind halt Sklaven, da man ihnen die Möglichkeit genommen hat, sich zu währen. Unmoralisch ist es Menschen zu enwaffnen wie es alle Linken fordern und auch die Nazis zum beginn getan haben. Herrschaft ist unmoralisch, die Herrschaft verkauft das Volk und natürlich handelt auch Nestle unmoralisch. Ein Mensch der unmoralisch handelt tut das natürlich um einen Vorteil zu haben, den ihm der Teufel eingeredet hat und oft klappt das auch. Das geht aber etwas weiter, was wäre der Satanist in Brainwashington, ohne die Golem die Hirnlos seine Befehle ausführen?
https://www.focus.de/finanzen/news/unter...04446.html
ist ne weile her dass frankreich auch in afrika lag.

Man braucht keinen Satan für vorteilhafte angebote, die auf kosten anderer gehen. Dessen Existenz kannst du auch nicht beweisen.

Bitzoseq

Quote:
Man braucht keinen Satan für vorteilhafte angebote, die auf kosten anderer gehen. Dessen Existenz kannst du auch nicht beweisen.

Du musst nicht an den Satan glauben, nenne es meinetwegen das kosmische Böse, oder interdimensionale Reptilloiden (soll nicht heißen dass es nicht solche Reptilloiden gibt und dazu noch den Teufel) dieser Youtubekanal hat dazu sehr interessante Beiträge von Augenzeugen etc. https://www.youtube.com/channel/UCNAv0ys...RN40zU71yA

Was die Sache mit Frankreich angeht, ist doch das selbe Prinzip...

Bitzoseq Wrote:
Was die Sache mit Frankreich angeht, ist doch das selbe Prinzip...

Es ist für dich so wichtig "unmoralisches verhalten" von der Eigenverantwortung zu entfernen und jegliche Schuld einem imaginären Wesen zu geben, das eine verführung generiert haben haben soll? Dann müsstest du anfangen den Satan als schöpfer zu verehren. Denn alles was man begehren kann muss deiner Meinung nach ja einen schöpfer haben.

Also so wie du es bisher beschrieben hattest: Ist man ja von jeder Eigenverantwortung entbunden und kann daher eigentlich gar nicht mehr Sündigen. Beseitigung Satans ist ja eigentlich der Job von Gott allein.

@Bitzo
Kommt da noch was oder kommt dir erst jetzt langsam die Idee, dass die predigten, die du dir anhörst auch nur von Menschen sind, die wollen, dass du ihre Bücher kaufst?
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