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Ästhetik und Macht

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Malone
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Post: #1
Ästhetik und Macht

In meiner, zugegebenermaßen noch nicht allzu weit fortgeschrittenen, Erforschung des postmodernen Denkens zeichnet sich eine Auffälligkeit ab. Die Strukturalisten haben einst, im Bemühen, Ordnung in so wirr erscheinende Phänomene wie die Sprache zu bringen, festgestellt, dass Sinn auch und vor allem durch Differenz entstehe. Die Poststrukturalisten schlossen daraus, grob gesagt, dass Bedeutung eine Folge der Ausblendung, mithin der Unterdrückung des Anderen sei. Um der vermeintlichen Gerechtigkeit Willen schrieben sich dann Derrida, Foucault und Genossen auf die Fahne, das Unsichtbare erkenntlich zu machen. Und das ist der rote Faden seitdem: Es geht um die Sichtbarkeit! Und um wem oder was auch immer zur Geltung zu verhelfen, also sie, ihn oder es sichtbar werden zu lassen, muss es auffällig sein.

Und was fällt auf? Etwas, das hässlich ist, extraordinär schäbig! Um das Schöne haben sich ja schon die Klassiker und Romantiker gekümmert, das Marketing des Kapitalismus in durchaus fragwürdiger Weise ebenso. Das zu übertreffen und auf diese Art Sichtbarkeit zu erlangen, wäre höchst mühselig, vor allem bei mangelnder Kunstfertigkeit. Aber das Hässliche kann jeder und inmitten des Schönen ragt es heraus wie der Pharos von Alexandria. Somit emanzipiert das Hässliche - jeder ist ein Künstler gemäß Beuys - gerechterweise den Dilettanten gegenüber dem Maestro. Das hat alles irgendwo seine Berechtigung. Aber irgendwann häuft sich das Schäbige und muss immer schäbiger werden, um noch auffallen zu können und allmählich bedarf es sogar eines gewissen Talents, um die Hässlichkeiten anderer noch zu übertreffen.

Wie dem auch sei, mit dieser Entwicklung gingen die Bedeutung als solche und die Bedeutung des Schönen den Bach runter. Priorität hatte die Sichtbarkeit, die quasi mit Machtverhältnissen gleichgesetzt wird, und um sie zu gewährleisten, ist jedes Mittel recht und jeder Maßstab für Ästhetik wird ins - leicht manipulierbare, Stichwort Patriarchat - Subjektive verschoben. Die Ästhetik wird in ihre Symbolkraft verlagert: Dann sind eine ursprüngliche Landschaft verschandelnde Windräder schön, das Kopftuch wird ebenso schick wie eine kunstvolle Frisur, stark behaarte Frauen werden zu Ikonen und wen kümmert schon ein durch Gendersternchen malträtiertes Schriftbild, wenn sich dadurch jede im Promillebereich des Kehrwertes einer Myriade befindliche Person nicht ausgeblendet fühlt?


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Autor der Blüte des Zweifels

This post was last modified: 29.05.2021 22:34 by Malone.

29.05.2021 22:04
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Bitzoseq
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Post: #2
RE: Ästhetik und Macht

Ich frage mich, wenn es nur um den Skandal und den damit verbundene Aufmerksamkeit geht, warum geht es dann immer mehr in diese satanische Richtung, also ein schwuler Musiker dessen Zielpublikum nach eigenen Aussagen Kinder sind, gibt dem Teufel einen Lapdance in einem Musikvideo. Wäre es nicht ein weit größerer Skandal den Holocaust zu leugnen oder vielleicht gegen die gleichgeschlechtliche Ehe zu sein oder sogar noch weiter zurück gehen und die Ehe als gesellschaftliche Institution zur Schaffung gesunder Kinder ansehen?
Dahinter steckt mehr als nur Aufmerksamkeit, dahinter steckt der Plan Menschen psychologisch zu zerstören, die Bindungen zu Familie, Freunden und Heimat zu vernichten, sie alle zu finden, ins Dunkel zu führen, und für ewig zu knechten, ein Jahrhunderte andauernder Plan zur Erzeugung einer Neuen Weltordnung.

30.05.2021 10:11
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RealCyrusol
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Deccan
Rhomaion
Post: #3
RE: Ästhetik und Macht

@Bitzo

Skandal ist nicht das selbe wie Hässlichkeit. Skandal geht eher in die Richtung Sünde, Hässlichkeit wurde zum Ideal verklärt. Deshalb wirst du keinen Holocaustleugner finden, der irgendwie soziale Anerkennung findet.

Quote:
oder sogar noch weiter zurück gehen und die Ehe als gesellschaftliche Institution zur Schaffung gesunder Kinder ansehen


Naja, das ist keine Sünde mehr sondern teilweise einfach ein neutraler Fakt und teilweise falsch.

Was man am Anfang der Zivilisation (also ca. 15000 Jahre in der Vergangenheit) bis ca. dem ägyptischen Pharaonenkult und dem Zoroastrismus, also den ersten monotheistischen Religionen, beobachten kann, ist, dass Polygamie, speziell Polygny, die Norm war. Ein Mann, mehrere Frauen. Etwa 95% aller Frauen haben ihr Erbgut weitergegeben, aber nur etwa 50% aller Männer. Das selbe ist beobachtbar für die Zeit vor der Zivilisation, also von den ersten Hominiden bis hin zur landwirtschaftlichen Revolution. Der Grund dafür ist die Hypergamie der Frauen, also das Ziel den bestmöglichen Partner zu finden. Ein armer Sklave macht einfach keinen guten Vater/Partner. Ein reicher Aristokrat (oder hochrangiger/hochangeseher Mann im Stamm) schon. Frauen sind durchaus willens einen hochangesehenen, reichen Mann zu teilen.

Daraus folgt, dass eine ziemlich große soziale Instabilität entsteht (Männer die leer ausgehen, haben nichts zu verlieren). Solange es nur Stämme mit ein paar dutzend bis ein paar hundert Menschen waren, war das kein Problem. Aber sobald Städte gegründet wurden, wurde es zum Problem. Tatsache ist, dass Monogamie, und damit einhergehend die monogame Ehe als Institution, zum sozialen Frieden beigetragen haben. Also hatte die Idee mehr als nur gesunde Kinder zum Ziel.

Natürlich hat (Octavius) Augustus Caesar, der selbst die monogame Ehe sehr stark gepusht hat, auch zum Ziel gehabt, mehr Kinder und damit mehr Soldaten für Rom zu haben. So ziemlich wie auch Adolf.

This post was last modified: 01.06.2021 21:00 by RealCyrusol.

01.06.2021 20:58
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Bitzoseq
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Post: #4
RE: Ästhetik und Macht

RealCyrusol Wrote:
Skandal ist nicht das selbe wie Hässlichkeit. Skandal geht eher in die Richtung Sünde, Hässlichkeit wurde zum Ideal verklärt. Deshalb wirst du keinen Holocaustleugner finden, der irgendwie soziale Anerkennung findet.

Stimmt, aber ich erinnere mich eines Vortrages von Richard David Precht, über Ästhetik, da hieß es, dass es heutzutage in der “Kunst“ nur um Provokation die nur innerhalb eines bestimmten Kontextes verständlich sei, geht und das geht doch zumindest in diese Postmoderne Richtung.


Quote:
Daraus folgt, dass eine ziemlich große soziale Instabilität entsteht (Männer die leer ausgehen, haben nichts zu verlieren). Solange es nur Stämme mit ein paar dutzend bis ein paar hundert Menschen waren, war das kein Problem. Aber sobald Städte gegründet wurden, wurde es zum Problem. Tatsache ist, dass Monogamie, und damit einhergehend die monogame Ehe als Institution, zum sozialen Frieden beigetragen haben. Also hatte die Idee mehr als nur gesunde Kinder zum Ziel.

Nicht zu vergessen, dass die genetische Vielfalt nicht beständig eingeschränkt wird wie bei der Polygamie (wobei der letzte Absatz das wohl implizit beinhaltete). Aber selbst die geordnete Polygamie oder die Beziehung zwischen kleinen Gruppen (zB 5 Männer 5 Frauen), wäre immer noch besser als dieser Sexual-Anarchismus auf den die Gesellschaft zuläuft, das kann nur zur Folge haben dass sich Menschen mit 20 sterilisieren lassen und Kinder in Maschinen hergestellt werden (oder wie jetzt noch aus dem Ausland importiert)

04.06.2021 17:05
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