Birdman ist ein Mysterydrama von Alejandro Gonzalez Inarritu. Der Mime Michael Keaton wird nur mit seiner früheren Rolle als Comicheld identifiziert, was allerdings auch auf ihn selbst zutrifft. Um mit der Lerntheorie zu sprechen, scheint hier der Mime einer aktiven Verstärkung erlegen zu sein: Er wurde für etwas mit Ruhm belohnt, dessen Vortäuschung gar nicht seiner durch und durch menschlichen Natur entspricht. Nun wird ihm angeboten, in einem Theaterstück seine alte Rolle abzuschütteln. Aufgrund der alten Einflüsse geht das erwartungsgemäß schief, zu sehr ist Keaton durch sich selbst festgelegt. Dies ist ein Drama um den Begriff der Identität. Die man niemals finden kann, solange man sich an äußeren Maßstäben orientiert. Dies wird vor allem an dem grandiosen Schauspiel von Emma Stone verdeutlicht, die alle Register ihres Könnens selbstreferentiell zieht und damit die Variabilität eines Selbst glaubhaft demonstriert. Es ist ein Weilchen her, dass ich den Film gesehen habe, und ich kann nur grob spekulieren, dass es hier um persönliche Identität geht, aber das scheint mir in der Retrospektive am schlüssigsten. Aber das ist elementar: Wie sehr sind wir, was andere von uns zu sein erwarten, oder was uns immerhin möglich ist, zu sein? Eigentlich mag ich keine selbstreferentiellen Filme, aber Inarritu greift hier psychologisch tief: Wie sehr wollen wir das sein, was die Anderen von uns erwarten, oder wie sehr wie selbst? Schlimm dabei ist aber, das wir die letztere Alternative wohl gar nicht zu haben scheinen?

8/10