Midsommar ist nach Heredatary der zweite abendfüllende Horrorfilm von Ari Aster. Die sexy Doktorandin Florence Pugh verliert tragisch ihre Familie und wird von ihrem, durch eine herzlose Clique angefeuerten, Freund Jack Reynor nur halbherzig unterstützt, Diese Entfremdung selbst von der geliebtesten Person, zieht sich bis zum Ende im fernen Schweden durch. Dort besucht man eine Sekte, was die künftigen Anthropologen natürlich brennend interessiert. Unter den in unschuldigem Weiß gekleideten Nordmenschen grassieren aber seltsame Bräuche, die durch die Einnahme von Naturdrogen kaum besser wirken. Derart betäubt, gelockt und getäuscht ergeben sich alle Protagonisten ohne weiteres Aufbegehren in ihr Schicksal. Das ist einerseits befriedigend für die so Verachtete. Für den Zuschauer, dem jeglicher Spannungsbogen vorenthalten wird, aber nicht. Man kann von diesem alternativen Horrorszenario in gleißendem Sonnenlicht und wunderschöner Natur natürlich fasziniert sein, ebenso wie von mutmaßlichen nordischen Bräuchen, deren Darstellung ein Großteil der Überlänge geschuldet ist; aber es fehlt einfach die Dramaturgie, die über eine im Nachhinein teilweise überflüssig wirkende, feinsinnige Psychomachie hinausreicht. Banales Fazit: Atmosphäre top, Plot flop.

6,5/10