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Gabriel über Sarrazin

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Wannabe
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Post: #41
RE: Gabriel über Sarrazin

Libertarian Wrote:
@ Wannabe ich lese jeden Tag die neuen Artikel aus ef und daher weiß ich auch, dass die Mehrzahl der Artikel Gegenteiliges behaupten Zwinker2 Diesen habe ich übrigens auch gelesen und mit ihrer Schlussfolgerung, dass das der Markt regeln soll, bin ich auch total einverstanden, aber dann lasst ihn das auch regeln. Wenn du die Kommentare dir durchliest, siehst du durchaus, dass der Artikel nicht unbedingt auf Zustimmung in der ef-Gemeinde gestoßen ist (wobei da manche Leute echt komisch sind .. und das von mir).


Okay, wenn ich die Kommentare unter dem Artikel lese, frage ich mich, ob ich ihn richtig interpretiert habe. Ansonsten nehme ich mir das Recht herraus EF zu lesen und trotzdem eine von der Mehrzahl der EF-Leser abweichende Meinung zu haben. Das muss erlaubt sein. Grade wenn es in der EF um Migranten, den Islam und so was geht, packe ich mir schon öfter mal an den Kopf.

@Heesofer Ich bin auch kein Fan von staatlichen Kitas, aber dass es ein Problem darstellt, wenn Kinder verschiedener Einkommensschichten zusammen in den Kindergarten(und ähnliche Einrichtungen) gehen, verstehe ich nicht. Wenn man davon ausgeht, dass die Erziehung auch einen Anteil an der Intelligenz hat(und man davon ausgeht die meisten armen Eltern können nicht erziehen), hat es aber sehr wohl einen positiven Effekt für die Intelligenz der Kinder aus armen Verhälrniussen, wenn die Erziehung teilweise(Kita, Kindergarten, Schule, etc) jemand anderes übernimmt. Der positive Effekt entsteht nicht nur dann, wenn den Eltern die Kinder komplett weggenommen werden.

Ich weiß nicht wie das mit den Genen bei Sarrazin ist, aber am Anfang in der Einleitung steht ein Zitat in etwa wie:

Wer zu viel isst, wird fett. Wer nicht lernt, wird dumm. Das sind Tatsachen die man noch sagen dürfen muss.

Und das dann im ganz engen Zusammenhand mit seiner Hartz4-Küche. Es ist also nicht die Gene oder die soziale Situation sondern nicht wahrgenommene Eigenverantwortung. So sehe ich es auch. Bei Kindern ist es zugegebenermaßen immer etwas schwierig, weil es die Eltern sind, die Schuld sind und die Kinder, die sind, die es ausbaden müssen. Aber da vertraue ich eigentlich darauf, dass die Eltern das beste für ihr Kind wollen, was eigentlich natürlich sein sollte. Ich komme auch aus armen Verhältnissen und meine Eltern haben sich trotzdem Mühe gegeben, dass aus mir was anständiges wird und heute studiere ich. Gut, ich habe wirklich gute Eltern und ich wünsche allen solche Eltern und ich kann auch nicht nachvollziehen, warum es manchen Eltern so egal ist, was aus ihren Kindern wird. Aber ich kann nur vermuten, dass sie aus den falschen Gründen Kinder bekommen. Vielleicht um Kindergeld zu bekommen, aber das sind nur Spekulationen.


Wannabe
22.09.2010 16:47
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Heresh Amar
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Post: #42
RE: Gabriel über Sarrazin

Quote:
Am Markt setzen sich nicht immer die Intelligentesten durch, sondern die am besten Angepassten.


Wow, Darwin lässt grüßen! Glotz


Quote:
sondern ich möchte, dass jeder für sich selbst sorgt und gut ist.


Mit anderen Worten, du bist ein Egoist der eine Staatsbürgerschaft nicht verdient hat, der sich einen Dreck um die Menschen in seiner Umgebung schert und dem gesellschaftliche Ziele zuwider sind. Für den die Welt solange in Ordnung ist, wie es ihm selber gut geht. Cool

Quote:
@ Heresh na dann informiere dich, was man unter negativen Rechten versteht. Google ist dein Freund.


Ich hätte gerne von dir gehört, worauf du genau anspielst. Ich habe mich natürlich auch selber informiert, aber so gesehen muss es mich wohl auch nicht überraschen, wenn du dem Mitdiskutanten nicht entgegenkommen willst. Wink

Quote:
Und mir soll noch einmal jemand erklären, wieso ein Recht auf Sozialhilfe besteht? Und kommt mir nicht mit dem GG, ist kein Beweis.


Oh doch das Grundgesetz ist ein hervorragender Beweis, denn es gilt in diesem unserem Staat. Solange das Grundgesetz geltendes Recht ist ist es ein Beweis für eine entsprechende Aussage. Es ist völlig egal ob vielleicht in Somalia keine entsprechenden Rechte zugestanden werden, wenn im Grundgesetz steht, dass du ein Recht hast, dann hast du dieses Recht überall im Geltungsbereich des Grundgesetzes. Ansopnsten gitl, was ich schon geschrieben habe. Sozialhilfe ist ein möglicher Weg, wie der Staat die zugestandenen Rechte für jeden garantieren kann, es steht natürlich nirgendwo, dass ein Recht auf Sozialhilfe als solche bestünde, aber es besteht das Recht auf Bildung, auf Unversehrtheit, auf Würde und die Sozialhilfe ist nur eine entsprechende staatliche Maßnahme.

Quote:
Die nächste Frage wäre, ob du Sarrazins Buch gelesen hast. Falls nicht, fällt es mir schwer, die Diskussion hier weiter zu führen.


Nein, habe ich nicht, aber vielleicht ist es dir nicht aufgefallen, dass dies hier auch garnicht erforderlich ist. Die Diskussion folgt derzeit einem Verlauf, in dem einige bestimmte Thesen besprochen werden. Die Ursprungsthese war die Verdummung der Gesellschaft durch höhere Vermehrung der Armen. Dem wird hier widersprochen und von diesem Gespräch aus kamen wir dann unter anderem zu deiner Ansicht, man solle jedwede staatliche Leistung streichen und alle sich selbst überlassen. Es wäre mir neu, dass dies ein Teil von Sarrazins Thesen gewesen wäre. Momentan sind wir tendenziell bei Sozialhilfe und den unterschiedlichen Ansichten über die unveräußerlichen Menschenrechte. Falls du das Buch gelesen hast und Thesen oder Beweisführungen daraus hier einbringen willst kannst du das gerne tun, aber für den verlauf des derzeitigen Streithemas ist die Lektüre nicht zwingend erforderlich.

Quote:
Die Selektion des Marktes lässt die Armen sich nicht unnötig vermehren - nicht wie heute. Weniger Armut, wollen wir da snicht alle?


Ich hätte gerne historische Beispiele. Wo und wann hat Armut zu einer gesenkten Gebrutenrate geführt? ich sehe nur Gegenbeispiele in der menschlichen Geschichte, ärmere Schichten bekamen und bekommen mehr Kinder als Reiche, dass lässt sich innerhalb von Nationalstaaten (am besten übrigens in denen ohne Sozialsysteme) und auch Weltweit (Europa-Afrika) beobachten. Deine Forderungen senken außerdem nicht die Armut, sie schaffen dort welche, wo sie derzeit nicht so stark vorhanden ist. Willst du wirklich dass uns die Menschen in Deutschland reihenweise verhungern? Dass eigentlich ausgerottete Krankheiten wieder zurückkehren? Das beste dabei wird dann sein, dass eine solche Idee nicht einmal das Ziel (weniger Geburten bei sozial schwache) erreichen würde, sondern viel mehr zu der dritte Welt Situation führen würde, wo viele arme Familien viele Kinder zeugen um überhaupt genug Geld zu verdienen. Dann noch Slums und höhere Kriminalität und dann gibt es nichts mehr was uns vor einer entsprechenden Situation retten würde.
Auch die tolle Wirtschaft könntest du dann auf lange Sicht vergessen, denn glaube mit, die anderen EU Staaten werden ihre Grenzen wohl kaum offen halten, wenn die ganzen Armutsflüchtlinge aus Deutschland kommen. Nur um dich daran zu erinnern, wir leben auf dem dritten Planeten des Sonnensystems Sol in der Milchstraße, jedenfalls gelten hier offensichtlich andere Regeln als auf deiner utopischen Heimatwelt.


Ich glaube wir haben hier eine neue Form von Besitzneid. Nicht der Neid auf jene die mehr haben als man selber, sondern die Furcht davor, dass andere Menschen überhaupt etwas bekommen könnten. Anders kann ich mir dieses Egozentrische Staatsmodell nicht erklären.


Die meisten Menschen haben einen geistigen Horizont mit dem Radius null. Diesen bezeichnnen sie dann als ihren Standpunkt. (A. Einstein)
22.09.2010 18:43
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Post: #43
RE: Gabriel über Sarrazin

Quote:
Mit anderen Worten, du bist ein Egoist der eine Staatsbürgerschaft nicht verdient hat, der sich einen Dreck um die Menschen in seiner Umgebung schert und dem gesellschaftliche Ziele zuwider sind. Für den die Welt solange in Ordnung ist, wie es ihm selber gut geht.


Danke fürs Kompliment, aber ist dir etwas aufgefallen? es kam nicht ein sachliches Argument, sondern ein Moralisieren & Emotionalisieren der Diskussion.

Es muss garantiert werden, dass niemand durch Gewalt zu etwas gezwungen wird. Eigentumsrechte (sowohl an Dingen und an sich) müssen auch garantiert werden. Der klassicher libertäre Minimalstaat; ich denke das sagt dir etwas.

Quote:
Oh doch das Grundgesetz ist ein hervorragender Beweis, denn es gilt in diesem unserem Staat. Solange das Grundgesetz geltendes Recht ist ist es ein Beweis für eine entsprechende Aussage. Es ist völlig egal ob vielleicht in Somalia keine entsprechenden Rechte zugestanden werden, wenn im Grundgesetz steht, dass du ein Recht hast, dann hast du dieses Recht überall im Geltungsbereich des Grundgesetzes. Ansopnsten gitl, was ich schon geschrieben habe. Sozialhilfe ist ein möglicher Weg, wie der Staat die zugestandenen Rechte für jeden garantieren kann, es steht natürlich nirgendwo, dass ein Recht auf Sozialhilfe als solche bestünde, aber es besteht das Recht auf Bildung, auf Unversehrtheit, auf Würde und die Sozialhilfe ist nur eine entsprechende staatliche Maßnahme.


Oh man das muss ich mir immer wieder antun. Das GG sagt das und basta. Das ist keine Begründung. Ich bin auch nicht mit dem GG einverstanden (beispielsweise mit dem Enteignungsartikel).

Ich habe nichts gegen freiwillige Solidarität, bitte, immer her damit, aber keine Solidarität auf Zwang (die ja keine ist - wir haben keine solidarische gemeinschaft). So muss sich jeder Arbeit suchen und wir haben keinen faktischen Mindestlohn, den wir momentan haben (Hartz 4).

Bitte versuche mir nochmal zu erklären, wieso es ein Recht auf Sozialhilfe gibt.


“Demokratischer Sozialismus, das ist so eine Art vegetarischer Schlachthof.” Guido Westerwelle
23.09.2010 18:49
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Post: #44
RE: Gabriel über Sarrazin

ok libertarian, so langsam merk ich woher der wind bei dir weht^^ und in dem fall, ich stimme dir zu. aber wenn du schon auf dem weg angekommen bist, dass der staat die freiheit eines jeden eingrenzt und deswegen schlecht ist, dann mußt du so konsequent sein und zu folgern dass der staat als solcher abzuschaffen sei. du könntest einen guten anomisten (was normallerweise mit anarchist gemeint ist) abgeben. aber leider bist du da zu inkonsequent und glaubst einen staat mit asozialem verhalten verbinden zu können, sprich einem verhalten welches nicht auf gesellschaftlichem frieden aufbaut. und das ist ein irrweg der immer scheitern wird. ein solcher staat wird nie stabil bleiben können. ein libertärer minimalstaat ist nicht überlebensfähig. und war es nie. alte staatsformen, wo der soziale frieden durch angst gewahrt wurde, aber ansonsten deine ansichten vertreten wurden, sprich in einem aristokratischem staat wo die erfolglosen allein gelassen wurden, selbst die sind zusammengebrochen. in deinem staat verzichtest du aber gänzlich auf ein mittel zu sozialem frieden.

moral und emotionen sind übrigens nicht unsachlich. im zwischenmenschlichem spielt moral eine große rolle, das sind die fragen der ethik, und sie sind eben so zu klären wie andere fragen auch. eine gesellschaft ohne ethik ist schlicht instabil, ein staat ist nicht zuletzt das zwischenmenschliche zwischen den bürgern. wenn du ethik ausklammerst, und meinst mit reiner preiskalkulation hättest du alles, was ein staat braucht beschreiben können, dann irrst du dich gewaltig. siehe dir amokläufe an z.b.

das recht auf sozialhilfe besteht damit der soziale frieden gewährleistet ist. die kriminalität ist in deutschland nur deswegen so neidrig. bei 10% arbeitslosigkeit würde auf den straßen ein krieg herrschen ohne H IV.

solidarität per gesetz ist keine solidarität über zwang. in einer pareiendemokratie werden gesetze in namen aller verfasst. das ist die grundlage eines staates. der staat ist kein oberhaupt der seinen schäfchen pflichten aufdrückt. wenn das volk kein H IV finanzieren will, kann es ohne weiteres dieses auch abschaffen.

aber wenn wir schon dabei sind dass es keine tabus in der radikalität geben darf, dann sag mir bitte, warum du ein recht zu leben hast? Zwinker2 ich meine der mensch ist als zum mord fähig geboren, woher nimmt sich der staat das recht ihm dieses zu verbieten? erkläre mir das bitte, ohne moral oder emotionen ins gespräch zu bringen.


den klugen kann man überzeugen, den dummen muß man überreden

"Schau du lieber das dich nicht verschreibst " - ein forum-user

This post was last modified: 23.09.2010 19:42 by xaoc.

23.09.2010 19:30
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Post: #45
RE: Gabriel über Sarrazin

@Libertarian

Heresh Amar Wrote:
Ich hätte gerne historische Beispiele. Wo und wann hat Armut zu einer gesenkten Gebrutenrate geführt? ich sehe nur Gegenbeispiele in der menschlichen Geschichte,


Wenn du schon Behauptungen einfach so aufstellst, dann tu Heresh doch bitte noch den Gefallen. Mich würde es auch interessieren. Wie Heresh, kenne ich nämlich auch nur gegenteilige Beispiele.

23.09.2010 19:56
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Post: #46
RE: Gabriel über Sarrazin

@xaoc genau das, was du angesprochen hast, hat mich sehr lange beschäftigt und beschäftigt mich immer noch. sehr.

Eigtl bin ich auch für Anarchokapitalismus, bin mir aber sicher, dass dann doch wieder Zwang ausgeübt wird, die Sklavenmoral sich durchsetzt und wir wieder früher oder später in einer Wohlfahrtsdiktatur enden.

genau deswegen will ich körperlichen Zwang ausschließen (Mord etc.). Ich will keine sozialistischen DIktaturen (egal ob brauner oder roter), dazu kanns aber wieder kommen.

Übrigens: so wie ich mitbekam nehmen die meisten Minimalstaatler nur sehr zähneknirschend einen minimalstaat in Kauf, weil sie wissen, dass Anarchokapitalismus sich nicht hält. AK basiert ja darauf, dass alles freiwillig geschieht (Voluntarismus). Bitte liebe Genossen, nicht das freiwillig auf ökonomische Zwänge beziehen - die wird man nicht wegstreichen können.

Ich bin schon so pesimistisch, dass ich selbst den Minimalstaat nur durch Zwang (Aristokratie oder Diktatur) bestehen sehe, weil die Menschen zu 95% schlicht Herdentiere sind.

gegen freiwillige ethik hab ich nichts. die wirds immer geben. freiwliige solidarität ebenso. Ich will nur keinen Zwang.

Nein, ihr denkt immer, Demokratie sei das tollste, aber Steuern sind Raub, sie werden mit Gewalt eingezogen, es ist purer Zwang. In der Demokratie herrscht die Mehrheit, nicht jeder. Minderheiten werden nicht beachtet. Die Mehrheit des Volkes will H4, eine Minderheit nicht. DIese wird nicht beachtet...

Eine Minimalstaatsdiktatur dagegen lässt jedem Freiheiten, auch Freiheit andere sozial zu unterstützen. Sie steht damit im Gegensatz zur sozialistischen (ob brauner oder roter) Diktatur, die auf Unterdrückung basiert. "Dein Volk ist alles, du bist nichts." Diese Aussage ist in sich schon widersprüchlich, wie Sozialismus halt.

ich wäre aber auch schon mit einem Zensuswahlrecht zufrieden. 3 Klassenwahlrecht beispielsweise, die die mehr beisteuern, sollen auch mehr mitbestimmen (Politik ist zu 90% Umverteilen).

Wenn du es aber schaffst mich vom Anarchokapitalismus zu überzeugen, dass er doch existieren kann, wäre ich dir wirklich dankbar, xaoc und da ist keine Ironie dahinter.


“Demokratischer Sozialismus, das ist so eine Art vegetarischer Schlachthof.” Guido Westerwelle
23.09.2010 19:59
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Post: #47
RE: Gabriel über Sarrazin

Quote:
Danke fürs Kompliment, aber ist dir etwas aufgefallen? es kam nicht ein sachliches Argument, sondern ein Moralisieren & Emotionalisieren der Diskussion.


Das war ja auch nicht als Argument gedacht, sondern war eine persönliche Äußerung. Argumente sehen bei mir anders aus! Wink



Quote:
Oh man das muss ich mir immer wieder antun. Das GG sagt das und basta. Das ist keine Begründung. Ich bin auch nicht mit dem GG einverstanden (beispielsweise mit dem Enteignungsartikel).

Ich habe nichts gegen freiwillige Solidarität, bitte, immer her damit, aber keine Solidarität auf Zwang (die ja keine ist - wir haben keine solidarische gemeinschaft). So muss sich jeder Arbeit suchen und wir haben keinen faktischen Mindestlohn, den wir momentan haben (Hartz 4).

Bitte versuche mir nochmal zu erklären, wieso es ein Recht auf Sozialhilfe gibt.


Ich bekomme das Gefühl, dass du immer wieder die gleiche Frage stellst, nur immer mit einer weiteren Form der Aussage: "Deine Argumente zählen nicht!" Rolleyes

Ok, ich versuche es mal detailliert zu erklären. Auf dem Gebiet der Bundesrepublik Deutschland gilt das Grundgesetz. Dieses ist faktisch unsere Verfassung und die Grundlage unseres Staates.
Natürlich kann man gegen das Grundgesetz sein, seine Artikel ablehnen, eine andere Verfassung wünschen, aber wie man es auch dreht und wendet, solange dieser Staat hier in dieser Form existiert, bleibt das Grundgesetz die Grundlage jeden staatlichen Handelns. Was im Grundgesetz steht hat Gültigkeit, ob du nun willst oder nicht. Egal ob du mit bestimmten Artikeln einverstanden bist, die deutsche Staatsbürgerschaft verpflichtet dich diese Gesetze zu achten, es ist also sehr wohl eine Begründung. Im Grundgesetz steht, dass der Staat bestimmte Dinge garantieren muss. Was ist der Staat? So gesehen wir alle!
Ob du jetzt also für oder gegen ein Sozialsystem bist. Ob du nun für oder gegen die Wehrpflicht bist, solange du in Deutschland lebst, musst du dich an das Gesetz halten. Im Falle des Sozialstaates kommt noch erschwerend hinzu, dass unser Grundgesetz diesen als eines der Strukturprinzipien unserer Gesellschaft bezeichnet. Ob du nun mit diesem Ziel einverstanden bist oder nicht ist mir egal. Die meisten Menschen empfinden einen Sozialstaat eigentlich als eine ziemlich gute Idee. Einige davon, so wie ich, sind auch sehr daran interessiert, dass soetwas vernünftig fortgeführt wird. Tragischerweise sind alle drei Gewalten in diesem Fall auf unserer Seite, weswegen du nur zwei Möglichkeiten hast, entweder du wirst von diesem Staat dazu gezwungen dieses Ziel zu unterstützen (Stichwort: Steuern), oder du findest genug Leute, die mit dir Zusammen das Ziel einer Verfassungsänderung anstreben. bei deinen Zielen erscheint mir das allerdings zweifelhaft. Tut mir Leid, aber wenn du selbst mit Grundprinzipien dieses Staates nicht einverstanden bist, dann bist du in einem anderen vielleicht besser aufgehoben. Noplan
Das soll jetzt übrigens nicht heißen: "Dann geh doch!", ich meine das in diesem Fall wirklich ernst, denn mit diesem unserem Staat ist eine Abschaffung des Sozialsystems nicht zu machen und eine Revolution in deinem Sinne halte ich für sehr unwahrscheinlich.Sad


Jedenfalls besteht die solidarische Gemeinschaft auf Zwang. Man muss etwas weiter ausholen um dies zu verdeutlichen: Der Staat, dass sind wir alle. Bei den Wahlen wählen wir unsere Volksvertreter in den Bundestag. Diese ernennen eine Regierung, die sie mit der Durchführung der staatseigenen Aufgaben betrauen. Du zahlst zwangsweise Abgaben an den Staat, besser gesagt, an die Regierung und diese führt dann damit die ihr aufgetragenen Aufgaben aus. (Derzeit alles sehr fehlerhaft, aber es geht um das Selbstverständniss unseres Staates, nicht um idiotische BerufspolitikerWink)
Ob du also willst oder nicht, du bist vielleicht nicht selbst solidarisch, aber die Regierung sorgt dafür, dass ein Teil deines Geldes sich so verhält, als wärst du es.
Ob die Menschen es nun direkt machen, oder eine zentrale Verwaltungsstelle dazwischen schalten (könnte ja auch ein caritativer Verein sein) ist vom Ergebniss her grundsätzlich egal. Bei uns hat die Regierung auch die Aufgabe für die Grundsicherung der sozial Schwachen zu sorgen. Womit wir wieder bei der Sache wären. Die Regierung macht dies derzeit vor allem über das Instrument der so genannten Sozialhilfe. Sie könnte auch direkt Essen und Kleidung austeilen, aber im Sinne eines individuellen Lebens der Betroffenen und um Bürokratie einzusparen wird das Geld direkter und zweckungebundener bezahlt.

Eine Abschaffung des Sozialstaates käme übrigens nicht durch. Die Staatsstrukturprinzipien würden eine Klage vor dem Bundesverfassungsgericht rechtfertigen und eine entsprechende Reform dadurch gekippt werden. Da die Prinzipien nicht geändert werden können, kann man höchstens an Art und Höhe der Hilfen schrauben, was ja auch getan wird, sowohl in der einen, wie der anderen Richtung!




Quote:
Bitte versuche mir nochmal zu erklären, wieso es ein Recht auf Sozialhilfe gibt.


Ok, du willst das vom Grundgesetz zugestandene Recht nicht anerkennen. Dann bewegen wir uns jetzt wohl offiziell im moralischen Bereich. Die Macher des Grundgesetzes waren in erster Linie Christen und mit ihrer Beheimatung in Zentraleuropa kann man von einer in erster Linie Abendländischen Prägung ausgehen. Wie in jedem Kulturkreis, ist es unmöglich alle philosophischen Strömungen diesbezüglich zu nennen und es bringt auch nichts unterschiedliche Schulen gegeneinander aufzuspielen.

Die Idee, dass die Starken den Schwachen helfen müssen, stammt noch aus grauer Vorzeit. Bei Naturvölkern wird ja auch im Rahmen der Möglichkeiten ein schwächeres Stammesmitglied unterstützt, selbst wenn keine große Chance darauf besteht, dass diese Person in baldiger Zukunft wieder jagen oder sammeln kann.
In der Antike haben sich die diversen Religionen und Philosophien ebenfalls tendenziell für eine Hilfe der Schwachen ausgesprochen. Die berühmteste dieser Schulen, ist wohl die griechische Stoa, wobei der Stoiker angehalten wurde, seiner Umgebung nach Bestem Wissen und Gewissen zu helfen. Auch Staatstheorien der damaligen Zeit sprachen schon davon, Ärmere zu unterstützen, wobei diese Theorien natürlich noch nicht das Maß an den Tag legten, dass wir aus heutigen Staaten kennen. Aber da der Staat dem Wohle des Volkes verpflichtet ist, ist es nur logisch, dass auch die Ärmsten nicht fallen gelassen werden dürfen.
Im Mittelalter wurde dies vor allem mit der christlichen Lehre der Nächstenliebe gerechtfertigt und mit dem Beginn der modernen Staatslehre, die einem Volk, egal ob arm oder reich, die gleichen Rechte zusprach, wurden diese Regeln weitergereicht. Schon im Verständniss der Demokratie ist es nicht zu verantworten die Menschen einfach sich selbst zu überlassen. Demokratie kann nur mit Kompromissen funktionieren und Demokratie als solche ist unmöglich, wenn jeder Mensch sich um sich selbst kümmern soll. Dass ist dann noch nicht einmal eine Gesellschaft. Das erinnert mehr an wilde Bären, die meist Solo durch die Welt ziehen und sich nur zur Paarung treffen.

Jedenfalls ist es schwer dir Gründe zu präsentieren, die du sicher annehmen wirst. Aber sowohl im Hinblick auf die Natur, als auch auf Religion, Philosophie, Gesellschaftslehre und andere Moral-Stiftende Maßnahmen kann man dir Gründe nennen, warum auch arme Menschen es in einem Staat verdienen unterstützt zu werden. Beis dich nicht so an dem Begriff der Sozialhilfe fest, sie ist nur das gewählte Werkzeug, wenn du alternative Vorschläge hast, wie man armen Menschen ein halbwegs würdiges Leben ermöglicht, dann lass dich nicht aufhalten, aber deine Sichtweise der "0%-Finanzierung" entbehrt in mehrfacher Hinsicht der Grundlage. Moralisch entspricht sie einfach nicht den Bedingungen von Gruppentieren die wir sind (Philosophien die die Gemeinschaft ablehnten gibt es reichlich, aber tatsächlich hat sich davon keine durchsetzen können) und sie verfügt, wenn überhaupt, über eine wacklige Hypothese zur historischen Gesellschaftsentwicklung.
Es würde darauf zurückführen, dass Menschen in Europa wieder Hunger leiden, mit allen damit verbundenen Nachteilen. Vorteile, kann ich historisch nicht ausmachen!


Die meisten Menschen haben einen geistigen Horizont mit dem Radius null. Diesen bezeichnnen sie dann als ihren Standpunkt. (A. Einstein)

This post was last modified: 24.09.2010 10:38 by Heresh Amar.

23.09.2010 20:06
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