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Hausbesetzungen gut/schlecht?

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Hertilau
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Post: #11
RE: Hausbesetzungen gut/schlecht?

P_v_S Wrote:
Ich war auch mal Hausbesetzter, und das kam so:

Kurz vor der Wiedervereinigung hatte es mich nach Berlin verschlagen, nachdem ich eine vorübergehende bleibe gefunden hatte, hab ich mir gleich mal einen Job gesucht.

Als nächstes kam die Wohnungssuche:

Ein Wohnklo im 3. Hinterhof 30-40 qm, Toilette im Treppenhaus, wurde angeboten zu einer Miete von 550 DM. Zuzüglich einer Sicherheitsleistung von 3000 DM, und einem Bestechungsgeld an den Makler von vermutlich der gleichen Summe mindestens.

Trotzdem hatten sich vor Beginn der Besichtigung etwa 200 Interessenten vor dem Haus versammelt.

Bei meinem Einkommen war mir gleich klar, das ich auf dem Wohnungsmarkt keine CHance hatte.

Gleichzeitig standen in Berlin ganze Wohnblocks leer.

Als sich die Chance bot, zog ich also in eines dieser leerstehenden Häuser ein.

Es wurde eine angemessene Miete auf ein Sperrkonto eingezahlt, auf die der Hausbesitzer jederzeit zugreifen hätte können.

Ich kann da somit keinen Diebstahl sehen.

Allerdings gab es ein breites Streugut an Bewohnenern, und einige würde ich nicht gerade als tragende Säule des Staates beschreiben. Will meinen in dieser recht freien Wohngemeinschaft gab es Elemente, die über keinerlei Politischen Bewusstseins verfügten, sondern denen es nur um einen möglichst bequemen Schlafplatz ging.

Fazit:

Wenn die Wirtschaft und der Staat seinen Aufgaben zur Wohnraumbeschaffung nicht nachkommt, und gleichzeitig bewohnbarer Wohnraum leersteht, kann ich keinen Moralischen Hinderungsgrund erkennen, ein Haus zu besetzen.


aus heutiger sicht würde ich mal sagen, dass hier der Staat Mietbeihilfe zahlen müsste und das nur weil Spekulanten den Preis hochgetrieben haben.

d.h. der Staat "leidet" unter der Wirtschaft
da is das ja eigentlich fast schon positiv zu beurteilen, dass
Persdonen die sich keine wohnung leisten konnte wohnungen der Wirtschaft genommen haben und sogar dafür nach ihren maßstäben Miete zahlen.

11.03.2010 19:47
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Horst Heesofer
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Post: #12
RE: Hausbesetzungen gut/schlecht?

Quote:
Es sagt aber auch, dass Eigentum verpflichtet, gleich im nächsten Absatz:

http://www.gesetze-im-internet.de/gg/art_14.html

Vermietung geht irgendwo als gemeinnützig durch, bewusste Nichtvermietung nicht...


Daraus abzuleiten, Hauseigentümer wären verpflichtet ihr Haus entweder kostenlos oder zu Preisen die sich der Hausbesetzer wünscht, zu vergeben ist aber wohl doch ein ganzes Stück zu viel reininterpretiert Wink

Quote:
Gleichzeitig standen in Berlin ganze Wohnblocks leer.

Als sich die Chance bot, zog ich also in eines dieser leerstehenden Häuser ein.

Es wurde eine angemessene Miete auf ein Sperrkonto eingezahlt, auf die der Hausbesitzer jederzeit zugreifen hätte können.

Ich kann da somit keinen Diebstahl sehen.


"Angemessen" inwiefern? Ich schätz mal du hast dir einfach mal nen Preis rausgesucht den du für in Ordnung gehalten hast.
Wenn aber winzige Wohnungen wie du sagst für solch hohe Preise vermietet wurden, dann kann in derart kleiner Betrag wohl kaum angemessen gewesen sein. Preis regelt sich durch Nachfrage und den Anbieter, nicht durch den Kunden.
Anstatt da einfach einzuziehen hättest du genauso gut den Besitzer kontaktieren und mit ihm die Angelegenheit erörtern können - dann wäre die Sache evtl. ganz legal über die Bühne gegangen Wink

Quote:
Wenn die Wirtschaft und der Staat seinen Aufgaben zur Wohnraumbeschaffung nicht nachkommt, und gleichzeitig bewohnbarer Wohnraum leersteht, kann ich keinen Moralischen Hinderungsgrund erkennen, ein Haus zu besetzen.


Übersetzt heißt das also so viel wie: Der Staat und die Unternehmer haben die Pflicht mir zu nem Preis der mir passt ne Wohnung zu geben, andernfalls darf ich mir einfach nehmen was ich will?
Die primäre Aufgabe des Staates ist keine direkte Hilfe, sondern wenn überhaupt Hilfe zur Selbsthilfe - und die wird in Form von Arbeitsagenturen zur Genüge geboten.

Quote:
keinen moralischen. aber juristischen. wenn ich ein auto brauch, mir aber keins leisten kann, und du im urlaub bist und dein auto solange nicht brauchst, dann wird es dir denk ich dennoch nicht gefallen wenn ich, jemand mit dem du nichts zu tun hast, mir dein auto für die zeit ausleihe.


/sign

Quote:
Dazu fällt mir ein Spruch ein, die die Grüne Jugend mal auf einem Banner hatte:

"Besser die Jugend besetzt leere Häuser, als fremde Länder."


Mir isses lieber unsere Armee besetzt Afghanistan und hilft letztlich sogar den Menschen dort, als dass irgendwelche Anarchos oder Ökofritzen meine Häuser besetzen.

Quote:
da is das ja eigentlich fast schon positiv zu beurteilen, dass
Persdonen die sich keine wohnung leisten konnte wohnungen der Wirtschaft genommen haben und sogar dafür nach ihren maßstäben Miete zahlen.


Mit Sicherheit ist diese Variante besser als die gängige, lieber mal gar nix zu zahlen. Aber nichtsdestotrotz Diebstahl und Hausfriedensbruch.
Und es gibt für jeden genug Möglichkeiten legal ne Wohnung zu bekommen:

a) sich eben mit ner sehr kleinen abfinden
b) einfach mal außerhalb der Stadt versuchen
c) WG geht auch immer
d) Hartz IV beinhaltet auch Wohngeld

11.03.2010 20:34
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Hertilau
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Post: #13
RE: Hausbesetzungen gut/schlecht?

Zitat:
"da is das ja eigentlich fast schon positiv zu beurteilen, dass
Personen die sich keine wohnung leisten konnte wohnungen der Wirtschaft genommen haben und sogar dafür nach ihren maßstäben Miete zahlen."

Zitat:
"Mit Sicherheit ist diese Variante besser als die gängige, lieber mal gar nix zu zahlen. Aber nichtsdestotrotz Diebstahl und Hausfriedensbruch.
Und es gibt für jeden genug Möglichkeiten legal ne Wohnung zu bekommen:

a) sich eben mit ner sehr kleinen abfinden
b) einfach mal außerhalb der Stadt versuchen
c) WG geht auch immer
d) Hartz IV beinhaltet auch Wohngeld "

a) stimm ich dir zu wenn es so eine möglichkeit gibt
b) war jetzt in dem Fall (West-)Berlin schwierig
aber sonst stimm ich dir auch zu is ja auch meistens schöner dort
c) Viele Vermieter geben ihre Wohnungen nicht ab damit in ihnen eine WG wohnt
d)Beispiel: Du machst eine Lehre musst dafür aber in eine andere Stadt ziehen deine Erziehungsberechtigten können dich nicht unterstützen.
du brauchst ne Wohnung oder ein Zimmer.
aber:
1.Wohnungen oder Zimmer sind zu teuer um mit dem restgeld zu überleben
(ich sag ma Lehre 500euro du rechnest mit mindestens 300 zum leben im Monat macht dann noch 200euro)
2. Du siehst viele leere Wohnungen
(denkst an die soziale Marktwirtschaft (Angebot und Nachfrage) und merkst irgendwas ist da falsch)
du gehst in ein Haus nimmst dir eine Wohnung und zahlst 150 Euro auf ein Sperrkonto vorteile für dich:
-Wohnung
-Geld gespart
nachteile für den Vermieter:
-?

11.03.2010 20:57
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Heresh Amar
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Post: #14
RE: Hausbesetzungen gut/schlecht?

Quote:
nachteile für den Vermieter:
-?


1. Die Miete fällt geringer aus als geplant!

2. Das Haus muss immernoch gewartet werden, da jedoch unter anderem klare Verträge fehlen und der Besetzer sowieso meist arm wie 'ne Kirchenmaus ist, müsste der Vermieter vielleicht mehr Geld reinstecken als er durch die "Miete" herausbekommt.

3. Die letzte Besetzung die ich erlebt habe endete mit einer Massenklage gegen die Besetzer weil die Idioten auf die Idee kamen ihr neues Heim einfach mal mit Grafiti zu markieren. Weil aber der eigentliche Sprayer nicht gefunden werden konnte, blieben die Kosten dann am Vermieter hängen.

4. Was meinst du wieviel Geld der Besitzer bei einem versuchten Grundstücksverkauf bekommen kann, wenn gleichzeitig irgendwelche Leute sich in dem Gebäude festgesetzt haben? Der Vermieter kann also nicht ohne weiteres auf Teile seines Vermögens zugreifen.


Die meisten Menschen haben einen geistigen Horizont mit dem Radius null. Diesen bezeichnnen sie dann als ihren Standpunkt. (A. Einstein)

This post was last modified: 11.03.2010 23:17 by Heresh Amar.

11.03.2010 23:16
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osabedor
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Post: #15
RE: Hausbesetzungen gut/schlecht?

Heresh Amar Wrote:

Quote:
nachteile für den Vermieter:
-?


1. Die Miete fällt geringer aus als geplant!

2. Das Haus muss immernoch gewartet werden, da jedoch unter anderem klare Verträge fehlen und der Besetzer sowieso meist arm wie 'ne Kirchenmaus ist, müsste der Vermieter vielleicht mehr Geld reinstecken als er durch die "Miete" herausbekommt.

3. Die letzte Besetzung die ich erlebt habe endete mit einer Massenklage gegen die Besetzer weil die Idioten auf die Idee kamen ihr neues Heim einfach mal mit Grafiti zu markieren. Weil aber der eigentliche Sprayer nicht gefunden werden konnte, blieben die Kosten dann am Vermieter hängen.

4. Was meinst du wieviel Geld der Besitzer bei einem versuchten Grundstücksverkauf bekommen kann, wenn gleichzeitig irgendwelche Leute sich in dem Gebäude festgesetzt haben? Der Vermieter kann also nicht ohne weiteres auf Teile seines Vermögens zugreifen.


so what?

ohne den besetzer hat er gar keine miete.

da ist der unterschied zu jahrelangem leerstand mit entsrechendem verfall erst mal nachzuweisen.

das kann ihm im extremfall auch mit regulärem mietvertrag passieren.


"Kaufen, was einem die Kartelle vorwerfen; lesen, was einem die Zensoren erlauben; glauben, was einem Kirche und Partei gebieten. Beinkleider werden zurzeit mittelweit getragen. Freiheit gar nicht." (Kurt Tucholsky)
12.03.2010 07:19
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Asmodean
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Post: #16
RE: Hausbesetzungen gut/schlecht?

osabedor Wrote:
so what?

ohne den besetzer hat er gar keine miete.

da ist der unterschied zu jahrelangem leerstand mit entsrechendem verfall erst mal nachzuweisen.

das kann ihm im extremfall auch mit regulärem mietvertrag passieren.


Ohje, also man kann sich ja echt streiten ob man unter Umständen Hausbesetzung legalisieren sollte. Aber ich hab das Gefühl manche hier haben einfach einen Hass gegen Besitzende.
Also ich weiß nicht ob man Hausbesetzung nach aktuellem Recht als Diebstahl bezeichnen kann, es ist ja immerhin eine nicht mobile sache(ImmobilieBig Grin), aber man kann es schön als Vergleich nehmen. Der Eigentümer ist nunmal Eigentümer.
Die Argumentation "Ich zahle für etwas, also ist es kein Diebstahl" find ich auch witzig. Ich wollte schon lange meines Nachbars neues Auto austesten. Ich leg ihm einfach n Fuffi hin, dann geht das in Ordnung. Ich hoffe er schließt sein Auto nicht ab. Sonst könnte ich noch auf die Idee kommen der will das garnicht!! Hehe


"Das wertvollste, was ein Mensch verschenken kann, ist seine Zeit."
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12.03.2010 11:58
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Siemon
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Post: #17
RE: Hausbesetzungen gut/schlecht?

Asmodean Wrote:
Die Argumentation "Ich zahle für etwas, also ist es kein Diebstahl" find ich auch witzig. Ich wollte schon lange meines Nachbars neues Auto austesten. Ich leg ihm einfach n Fuffi hin, dann geht das in Ordnung. Ich hoffe er schließt sein Auto nicht ab. Sonst könnte ich noch auf die Idee kommen der will das garnicht!! Hehe

Ich seh das eigentlich wie du, aber bei deinem Beispiel müsste es schon das Auto deines Nachbarn sein das schon ewig nicht mehr genutzt wird.

Es ist zumindest in dem Punkt anders, das man jemanden "nur" etwas ungefragt nimmt, was ohnehin sonst keiner nutzt.

12.03.2010 12:27
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Sheep
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Post: #18
RE: Hausbesetzungen gut/schlecht?

Horst Heesofer Wrote:

Quote:
Es sagt aber auch, dass Eigentum verpflichtet, gleich im nächsten Absatz:

http://www.gesetze-im-internet.de/gg/art_14.html

Vermietung geht irgendwo als gemeinnützig durch, bewusste Nichtvermietung nicht...


Daraus abzuleiten, Hauseigentümer wären verpflichtet ihr Haus entweder kostenlos oder zu Preisen die sich der Hausbesetzer wünscht, zu vergeben ist aber wohl doch ein ganzes Stück zu viel reininterpretiert Wink


Nach gängiger Rechtssprechung hast du recht. Würde "Eigentum verpflichtet" strikt ausgelegt und ständig angewendet, wären die Konsequenzen kaum abzusehen...

Um kostenlose oder fast kostenlose Vermietung ging es mir auch nicht, sondern darum, dass ein vermietfähiges Objekt möglichst den Wohnungssuchenden angeboten wird.

Siemon Wrote:
Es ist zumindest in dem Punkt anders, das man jemanden "nur" etwas ungefragt nimmt, was ohnehin sonst keiner nutzt.


Mit dem Argument könnte man jemandem auch Kleidung wegnehmen, die ohnehin nur im Schrank hängt. Ich würde bei Besetzungen eher darüber argumentieren, dass eine vernünftige Unterkunft ein Grundbedürfnis ist. Wobei ich jetzt auch keine schlüssige Meinung habe, ob Besetzungen immer / manchmal / nie angemessen sind...


12.03.2010 12:57
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Siemon
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Post: #19
RE: Hausbesetzungen gut/schlecht?

Sheep Wrote:

Siemon Wrote:
Es ist zumindest in dem Punkt anders, das man jemanden "nur" etwas ungefragt nimmt, was ohnehin sonst keiner nutzt.


Mit dem Argument könnte man jemandem auch Kleidung wegnehmen, die ohnehin nur im Schrank hängt. Ich würde bei Besetzungen eher darüber argumentieren, dass eine vernünftige Unterkunft ein Grundbedürfnis ist. Wobei ich jetzt auch keine schlüssige Meinung habe, ob Besetzungen immer / manchmal / nie angemessen sind...

Also wie gesagt, ich bin da Asmodean meinung, man kann sicher darüber reden, aber das eigentum bleibt nun mal eigentum des Eigentümers, egal was ein Hausbesetzer macht.

Wenn es dabei um Grundbedürfnisse geht, so ist das aber zumindest in Deutschland keine Entschuldigung. Hier bekommt man schon noch das minimum um nicht nackt auf der Straße hungern zu müssen.

12.03.2010 13:13
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