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Ist Bildung wichtig?

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Malone
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Post: #31
RE: Ist Bildung wichtig?

Quote:
Der Begriff "gesunder Menschenverstand" jedoch ist in meinen Augen nichts anderes als eine leere Phrase.


Naja, nur weil er schwer zu umreißen ist - was ja auf viele andere abstrakte Begriffe zutrifft und bei genauer Betrachtung auch dingliche - ist er noch lange nicht leer. Ich würde ihn als Mix aus Intuition, Erfahrung und einfacher Logik bezeichnen, der im Alltag ausgesprochen nützlich ist, um schnell meistens richtige Entscheidungen treffen zu können. Ich sehe da eine Analogie zu Kahnemans "System I", dem schnellen Denken, das in der Tat auch ziemlich "common" ist.

Oft sagen wir, wenn wir Forschungsergebnisse lesen, dass einem das auch der gesunde Menschenverstand hätte sagen können. Und das stimmt wirklich sehr häufig, wenn wir mal von Erkenntnissen im ganz Großen oder ganz Kleinen absehen. Aber um bei wichtigen und komplexen Themen, oder falls ein Gefühl der Unsicherheit besteht, auf Nummer sicher zu gehen, ist die Einschaltung des (mühsamen) langsamen Denkens unerlässlich.

Und um dies mit der gebotenen Sorgfalt betreiben zu können, sind eben auch entsprechende Informationen, Methoden und Übung notwendig, wofür wiederum Bildung unerlässlich ist.

PS: Rehi Typin Eyes
PSPS: Eines der wichtigsten Sachbücher überhaupt, meines Erachtens: Schnelles Denken, langsames Denken


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31.12.2017 15:28
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Jozilla
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Post: #32
RE: Ist Bildung wichtig?

Erstmal schön dich mal wieder hier posten zu sehen, vielleicht ist dir auch einfach nur das popcorn ausgegangen... Globaltom antwortet nciht mehr so fleißig xD

Lee Lee Wrote:
Und hier sind gerade die unintuitiven Erkenntnisse interessant, spannend und horizonterweiternd, zu denen man nur mit "gesundem Menschenverstand" (aka Intuition) oft nicht kommt.

Sehe ich auch so, nur weil sowas eben unintuitiv ist, kann erstmal kaum jemand nachvollziehen.
Eben genau deswegen ist auch "Gesunder Menschenverstand" für mich eben etwas, das nicht zwangsläufig zum fortschritt beiträgt.
Spätestens wenn jemand brennendes Aluminium mit Wasser löscht wird es eben offensichtlich für alle wissenden dass die scheinbare intuitive lösung gefährlich sein kann.

Malone Wrote:
Oft sagen wir, wenn wir Forschungsergebnisse lesen, dass einem das auch der gesunde Menschenverstand hätte sagen können. Und das stimmt wirklich sehr häufig, wenn wir mal von Erkenntnissen im ganz Großen oder ganz Kleinen absehen. Aber um bei wichtigen und komplexen Themen, oder falls ein Gefühl der Unsicherheit besteht, auf Nummer sicher zu gehen, ist die Einschaltung des (mühsamen) langsamen Denkens unerlässlich.

Und um dies mit der gebotenen Sorgfalt betreiben zu können, sind eben auch entsprechende Informationen, Methoden und Übung notwendig, wofür wiederum Bildung unerlässlich ist.

"Forschungsergebnisse" sind leider auch nicht immer das was die bezeichnung verdient. Wenn man dann mal schaut in wie weit Datenkosmetik betrieben wird, wird einem fast schon schlecht.
Gut um das zu erkennen ist genau das notwendig, nur ist dann aber oft das problem dass viele der "Forschungsergebnisse" sich so weit etablieren können dass sie ben in den "Gesunden Menschenverstand" einfließen, so z.b. das klassiker mit dem Eisen im Spinat.


Für den Frieden zu kämpfen ist wie für die Jungfräulichkeit zu ficken.
Was ist der natürliche Weg um wieder echte Jungfrauen zu bekommen?

Kooperation ist besser als Konkurenz, andernfalls wären Kartellämter sinnlos
31.12.2017 19:01
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TwoA
Post: #33
RE: Ist Bildung wichtig?

@Malone:
Gesunder Menschenverstand ist primär intuitiv geprägt. In Intuition fließt natürlich Erfahrung mit ein, ganz klar. Hier haben wir aber bereits 2 hoch subjektive Bestandteile. Von mir aus können wir dann auch gern noch "einfache Logik" hinzufügen. Für den Alltag ist aber "einfache Logik" ebenso vielseitig, wie es Menschen gibt. Die einfache Logik des einen muss nicht die einfache Logik des anderen sein. Wenn ich dann sage, Gesunder Menschenverstand sei eine leere Phrase für mich, dann bezieht sich das auf Aussagen alla: "das sagt doch schon der gesunde Menschenverstand". Es ist keine Begründung, sondern ein (meist unbewusstes) Totschlagargument.

Malone Wrote:
Oft sagen wir, wenn wir Forschungsergebnisse lesen, dass einem das auch der gesunde Menschenverstand hätte sagen können.

Schönes Beispiel für eine verzerrte Wahrnehmung. Leider ist es meist eher so, dass der gesunde Menschenverstand hätte mit unter zum Studienergebnis führen können, jedoch auch zu anderen Schlussfolgerungen. Es gibt dann aber immer wieder Menschen, bei denen es halt passt und was zur verzerrten Wahrnehmung beiträgt. Der nächste Umstand ist, dass Forschungsergebnisse oft durch populärwissenschaftliche Medien dem Allgemeinbürger präsentiert werden. Hier werden aber selten die eigentlichen Studien, sondern eher die Ergebnisse (meist aus dem Teil der Studiendiskussion rausgenommen) auf eine verständliche, dem Common Sense zugängliche (aka intuitiv leicht verständlich) Art und Weise präsentiert. Ließt man sich die eigentlichen Studien dazu durch, ergibt sich oft (zumindest ist das jetzt meine Erfahrung) ein ganz anderes Bild.

31.12.2017 20:42
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Malone
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Post: #34
RE: Ist Bildung wichtig?

Interessanter Artikel: Bildung hilft nicht unbedingt gegen Ungleichheit

Quote:
Dieses Problem der Humankapitaltheorie wird als Galton-Pareto-Paradoxon bezeichnet. Die Fertigkeiten der Menschen sind in etwa „normalverteilt“, also entsprechend der Glockenkurve, wie Francis Galton schon vor etwa 150 Jahren feststellte. Es gibt besonders viele nahe der Mitte und kontinuierlich weniger mit geringeren beziehungsweise höheren Fertigkeiten.

Demgegenüber weisen die Einkommen eine sehr viel stärker polarisierte „Pareto-Verteilung“ auf, mit besonders vielen eher niedrigen Einkommen und einigen sehr hohen Einkommen, die einen weit überproportionalen Teil des Gesamteinkommens auf sich vereinigen.


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01.03.2019 18:34
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Post: #35
RE: Ist Bildung wichtig?

Aus Manfred Spitzers Buch "Lernen".

   


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08.03.2019 12:15
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Post: #36
RE: Ist Bildung wichtig?

Quote:
Es entstehe ein funktionaler Analphabetismus, der dazu führe, dass auch Siebtklässler Texte noch mühsam, teilweise Buchstabe für Buchstabe, entziffern, als wären sie Siebenjährige. Überhaupt werde zu wenig gelesen.

Bilder versteht man leichter. Als der dänische Zeichner Kurt Westergaard im September 2005 seine islamkritischen Karikaturen veröffentlichte, waren sich die Schüler einig: Dem Mann müsse der Kopf abgeschlagen werden. Vom Grundrecht auf Kunst-, Presse- und Meinungsfreiheit hatten sie noch nicht gehört.


Das gebildete Deutschland schafft sich ab


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23.10.2019 10:57
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Post: #37
RE: Ist Bildung wichtig?

Andererseits muss man in Zunkuft auch nicht mehr lesen und schreiben, da durch das Internet und allgemein die Technik, die ursprüngliche unmittelbare Kommunikation über Sprache aufgezeichnet werden kann und somit Texte unnötig werden.

Siehe auch https://de.m.wikipedia.org/wiki/Gutenberg-Galaxis

Wobei natürlich anzumerken ist, dass Bücher einen umfassendenen Kohlendioxidspeicher darstellen.


23.10.2019 16:06
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adder
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Roma
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Post: #38
RE: Ist Bildung wichtig?

Der positive Einfluss der Lesefähigkeit und Schreibfähigkeit auf die Intelligenz und das Wissen des Menschen sollte nicht unterschätzt werden. Klar, man könnte auch mittels Video, Piktogrammen und anderem kommunizieren.
Aber die Vielseitigkeit nimmt dann ab. Außerdem: wenn die Menschen keine Straßennamen, Ortsnamen oder Klingelschilder mehr lesen können, wie wollen sie sich da vernünftig orientieren? Nur noch per Navi und dann "betätigen Sie die Klingel in der dritten Reihe von oben, zweite von links!"?

Nein, Bücher haben immer noch ihren Wert. Vor allem, da sehr viele Menschen schneller lesen als hören können. Es ist also effizienter.


Falls bei einem Quote kein Name steht, geht davon aus, dass der letzte Name immer noch gilt und es derselbe Post war!
Ich halte mich an meine Zitatregeln: beim ersten Zitat aus einem Post wird ein [" Quote= ]" gesetzt. Danach bis ein neuer Poster oder ein neuer Post kommt, nur ein "[ Quote "]. Falls ich zwischen Postern hin-und-herspringe, nenne ich den Poster auch häufiger.


Si vis pacem para bellum

"Alles, was der Mensch ist und was ihn über das Tier hinaushebt, dankt er der Vernunft. Warum sollte er gerade in der Politik auf den Gebrauch der Vernunft verzichten und sich dunkeln und unklaren Gefühlen und Impulsen anvertrauen?" (Ludwig von Mises)
24.10.2019 01:28
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Post: #39
RE: Ist Bildung wichtig?

Nein, also meine Vorliebe für Bücher besteht überhaupt nicht darin, dass ich sie schneller lesen als hören könnte. Ihr Wert besteht für mich darin, dass ich unverstandene Sätze immer wieder lesen kann. Bis sie mir einleuchten oder auch nicht, und nicht selten kommt es vor, dass ich in ihnen eine didaktische Schlampigkeit oder schlichtweg einen Irrtum darin erkenne. Und wer spult schon ein Hörbuch immer wieder zurück oder ein Video?

Und auch gegenüber der Wikipedia und anderen Informationsquellen im Internet haben Bücher in der Regel einen großen Vorteil: Sie sind idealerweise didaktisch nachvollziehbar aufgebaut. Ich habe überhaupt erst angefangen, Sachbücher zu lesen - und um die geht es mir hier, nicht um Belletristik, aber wir reden ja auch über Bildung - weil mir Wikipediaartikel vor allem im naturwissenschaftlichen Bereich oft völlig unverständlich waren.


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24.10.2019 01:40
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Bitzoseq
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Aamerikaa
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Post: #40
RE: Ist Bildung wichtig?

@Adder: Naja wenn man in eine Straße geht, wird der Name zu einen Chip im Gehirn gesendet*. Außerdem kann ja weiterhin eine primitive bzw. postzivilisatorische Schrift verbleiben.
Es ging in dem von Malone zitieren Text ja auch darum, dass 7. Klässler schlecht lesen können, nicht gar nicht und so einzelne Wörter kann man dann auch mit 4 Jahren Schule lesen...
Was die Intelligenz angeht: Die Konzentrations- und die Strukturfähigkeit vielleicht, aber dafür gibt es ja auch Ritalin...Welche anderen Einflüsse denn?
Es kann sein, dass auch in 100 Jahren noch gelesen wird, nur sehe ich, dass bspw. schon jetzt keine Schreibschrift mehr gelernt wird, da sie für unnötig gehalten wird, und letztendes folgt doch alles dem Diktat der Notwendigkeit.
*Zugegeben, das ist schon sehr futuristisch...

@Malone:
1. Also die Librivox-App hat schon eine 10 Sekunden Rückspulfunktion.
2. Mit dem Schrifttum verschwinden auch konzentrierte Texte, die man aufmerksam verfolgen muss. Es stellt sich vielmehr ein gewöhnlicher Plapperwortfall unterstützt durch nonverbale Signale, ein.


This post was last modified: 24.10.2019 22:00 by Bitzoseq.

24.10.2019 21:42
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