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Karrieristen an der Macht

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Malone
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Post: #1
Karrieristen an der Macht

Was für ein Typ Menschen sich in den Wiirtschaftswissenschaften herumtreibt und später die Geschicke der Unternehmen leitet wird in diesem Interview erläutert.

Quote:
Hier muss man zwischen der Volks- und der Betriebswirtschaftslehre unterscheiden. In der VWL wird vor allem das Denken in Modellen gelehrt. Leider ist da der Bezug zur Wirklichkeit immer mehr geschwunden. Es wird kaum noch mehr geprüft, ob sich diese Modelle überhaupt an der Realität messen lassen - von wenigen Ausnahmen abgesehen. Das BWL-Studium ist vor allem berufsqualifizierend. Es bereitet auf eine Karriere im Großunternehmen vor. Und die BWLer tendieren immer mehr dazu, die Modelle der Volkswirte zu übernehmen. In beiden Fächern fehlt das Studium der sozialen und humanen Komponenten. Daran hat sich auch seit der Finanzkrise nichts geändert. Wie auch - es ist ja kein Lehrpersonal da, das diese Inhalte vermitteln könnte.


Das bestätigt genau meine Eindrücke, und die Typisierung in Karrieristen, Freizeitorientierte und Idealisten war mir schon lange genauso bekannt, wie dass ich nicht zu Ersteren gehöre. Es war schon in der Schule so, dass es eine ziemlich breite Masse an fleißigen Lernern gab, die kaum Inhalte hinterfragt haben. Und wenn sie dazu aufgefordert wurden, kamen die meist trivialen Antworten reichlich verkrampft hervor. Im Hinblick darauf, dass diese unkritische Mentalität nicht wünschenswert ist, wenn die Wirtschaftswissenschaften einen Paradigmenwechsel und damit auch das Agieren der bestimmenden Wirtschaftsakteure einen Wandel erfahren sollten, frage ich mich: wie kommt es zum Typus Karrierist und was kann man dagegen tun?

Früh in der Bildung anzusetzen scheint mir keine Lösung, denn man kann von unserer Schule nicht behaupten, sie hätte Stromlinienförmigkeit transportiert und gefördert. Aber von kritischen Ansätzen zeigten sich diese Typen ziemlich unbeeindruckt. Das Bestreben, sich das nötige Rüstzeug für späteren Erfolg anzueignen und dabei einen passablen Notendurchschnitt zu erlangen, war weitaus wichtiger als tatsächliche Erkenntnisgewinnung. (Natürlich gab es auch Leute, die Karrierismus und Idealismus in sich vereinten und damit auch in den Noten vorne lagen). Jedenfalls stellt sich hier wie so oft die Frage: sind die Menschen einfach so wie sie sind, ganz gleich wie die Umwelt auf sie einwirkt? Dominiert die Anlage ohnehin, oder können andere Wertsetzungen und Bildungsinhalte Veränderungen bewirken? Ich selbst tendiere da eher zum Kulturpessimismus und sehe den Karrieristin aus auch im Interview angeführten Gründen als evolutionären Sieger.


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Autor der Blüte des Zweifels
17.04.2011 08:16
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Asmodean
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Post: #2
RE: Karrieristen an der Macht

Ich denk eigentlich nicht gerne in Schubladen. Das sollte man auch mal beigebracht bekommen. Natürlich ist es einfacher im Alltag Menschen schnell einordnen zu können. Schubladen haben ja auch etwas gutes, sie verhindern dass wir unser Gehirn überlasten jedesmal einen Menschen komplett zu charakterisieren.
Wenn man dann solche Problemstellung betrachtet hilft es nicht nur die einen und die anderen zu sehen.
BTT: Ich denke dass man in der Schule einfach viel zu stark auf Noten konditioniert wird, bzw die Noten durch durch auswendig gelerntes Wissen zu erreichen.
Gibt hier natürlich immer wieder gewisse Ausnahmen. Meist so Deutsch/Religion. Aber man hängt da halt auch wieder von der Willkür der Lehrer ab. Wenn man einen Text analysieren soll, wird die Bewertung schwerer als bei einem Diktat die Fehler zu finden.
Aber ob das überhaupt die Wurzel des Problems ist sei dahingestellt.
Eventuell bleibt bei manchen Studiengängen garnicht die Zeit Dinge zu hinterfragen!? Oder sie machen das und kommen zu einem anderem Ergebnis als du, Malone. Wink


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Achim Schmidtmann
17.04.2011 08:32
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Malone
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Post: #3
RE: Karrieristen an der Macht

Das mit den Schubladen sehe ich genauso. Zum einen schließe ich niemals eine Schublade, zum anderen verschrotte ich die alten und zimmere mir neue bei Bedarf. Aber zu behaupten, man denke nicht in Schubladen, zeugt von wenig Selbstkenntnis. Man kann gar nicht anders und es hat ja die von dir erwähnten Vorteile. Man muss sich eben bewusst sein, dass es darum geht, Schwerpunkte in einer zunächst formlosen Masse auszumachen und diese somit dem jeweiligen Zweck entsprechend zu strukturieren. Unangenehm wird es nur, wenn Leute allzu voreilig etwas in übernommene Schubladen stecken und diese dann auch für immer schließen. Dennoch, bei aller Differenziertheit, manchmal ist es einfach krass wie sehr manche Menschen ihrem Klischee durch und durch gerecht werden Hehe

Ich bin mir auch bewusst, dass meine subjektiven Eindrücke statistisch nicht relevant sind. Aber meine Beobachtungen werden sehr oft bestätigt, wie auch in diesem Interview.


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17.04.2011 14:41
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Asmodean
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Post: #4
RE: Karrieristen an der Macht

Malone Wrote:
Das mit den Schubladen sehe ich genauso. Zum einen schließe ich niemals eine Schublade, zum anderen verschrotte ich die alten und zimmere mir neue bei Bedarf. Aber zu behaupten, man denke nicht in Schubladen, zeugt von wenig Selbstkenntnis. Man kann gar nicht anders und es hat ja die von dir erwähnten Vorteile. Man muss sich eben bewusst sein, dass es darum geht, Schwerpunkte in einer zunächst formlosen Masse auszumachen und diese somit dem jeweiligen Zweck entsprechend zu strukturieren. Unangenehm wird es nur, wenn Leute allzu voreilig etwas in übernommene Schubladen stecken und diese dann auch für immer schließen. Dennoch, bei aller Differenziertheit, manchmal ist es einfach krass wie sehr manche Menschen ihrem Klischee durch und durch gerecht werden Hehe

Ich bin mir auch bewusst, dass meine subjektiven Eindrücke statistisch nicht relevant sind. Aber meine Beobachtungen werden sehr oft bestätigt, wie auch in diesem Interview.

Ich habe nicht geschrieben, dass ich nicht in Schubladen denke. Sondern dass ich es nicht gern mache. Vorallem nicht wenn man versucht ein Phänomen zu analysieren.
Aber sonst kann ich dir zustimmen. Viele Eindrücke die man gewinnt verfestigen sich oft oder werden eben nicht bestätigt. Dadurch formen sich neue Schubladen ^^


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This post was last modified: 17.04.2011 14:47 by Asmodean.

17.04.2011 14:46
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Post: #5
RE: Karrieristen an der Macht

Ich habe auch nicht geschrieben, dass du meinst nicht in Schubladen zu denken Tongue


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17.04.2011 14:54
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Post: #6
RE: Karrieristen an der Macht

Malone Wrote:
Ich habe auch nicht geschrieben, dass du meinst nicht in Schubladen zu denken Tongue


Sonst hat hier ja niemand was gepostet und ich hab von mir gesprochen. Daher wars eigentlich nicht weit hergeholt das noch hineinzuinterpretieren Wink


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Post: #7
RE: Karrieristen an der Macht

[/quote]Jedenfalls stellt sich hier wie so oft die Frage: sind die Menschen einfach so wie sie sind, ganz gleich wie die Umwelt auf sie einwirkt?

Quote:
Nein. Menschen wird nicht so, wie sie später sind, in diese Welt reingeboren. Logisch, oder? Erziehung, Umfeld, etc. werden einen sehr sehr großen Teil des Charakters ausmachen.

Dominiert die Anlage ohnehin, oder können andere Wertsetzungen und Bildungsinhalte Veränderungen bewirken?

Quote:
Ich glaube nicht, dass es prinzipiell eine Veranlagung gibt, die das Verhalten von bspw.

Managern rechtfertigt. Die sind ein Produkt ihres Umfeldes und damit ziemlich arme Schweine. Mit anderen Zielsetzungen in der Bildung könnte man das allerdings sehr wohl ändern. Die Frage ist allerdings: hat man daran ein Interesse? Nein, kann man nicht haben, denn Selektion ist "in".


17.04.2011 19:31
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