Von Facebook:

"Sehr geehrte Redaktion,

Ich bin schon seit den 60er Jahren SPIEGEL Leser und seit vielen Jahren Abonnent des E-Spiegels. Obwohl ich seit 1976 im Ausland lebe, habe ich es immer geschafft mir den SPIEGEL der Woche zu besorgen, egal ob in Südamerika, Asien oder Afrika, und glauben Sie mir, das war nicht immer offensichtlich.

Über die Jahre hat sich vieles geändert, wir sind gealtert und die Welt hat sich verändert, und damit auch der SPIEGEL.

Ich zählte mich immer zu den Linksliberalen, habe SPD gewählt und bin in Bonn für Willy Brandt auf die Strasse gegangen. Am SPIEGEL habe ich immer die aufklärerische Dimension geschätzt, das Aufdecken von Misständen, ohne Rücksicht auf Verluste. Allerdings merke ich schon seit einigen Jahren, dass der SPIEGEL zunehmend einseitig berichtet, und dass meine Positionen, die ich immer schon hatte, heute vom SPIEGEL als rechts, wenn nicht rechts-extrem bezeichnet werden würden. Dabei hat sich an meiner Auffassung nichts geändert, ich glaube an die Demokratie, die FDG, den Rechtsstaat und vor allem die freie Meinungsäußerung.

Dabei war mein Leitmotiv immer dass man für Andere die gleichen Prinzipien und Masstäbe anwenden sollte die man für sich selbst erwartet. Das ist ein Prinzip, dass es seit Konfuzius in allen Kulturen gibt und ohne dass ein friedliches Zusammensein in der Gesellschaft schlichtweg unmöglich ist. Dazu gehören Toleranz und der Wille sich Meinungen anzuhören, mit denen man vielleicht nicht unbedingt einverstanden ist. Nun ist die Unterdrückung missliebiger Meinungen ein Kennzeichen von Unterdrückungsstaaten, und die Unterdrückung kann viele Formen annehmen – vom physischen Mord über physissche Ausgrenzung (Verhaftung) zur psychischen Ausgrenzung (Diffamierung, Mundtotmachung, Totschweigen, etc.). Es ist ein Kennzeichen von Unterdrückungsstaaten dass sie Meinungsfreiheit gewähren, solange die Meinung systemkonform ist, aber mit allen Mitteln gegen die Ideenkreatoren oder –überträger kämpfen, eben weil sie fürchten, dass diese „ANDERE MEINUNG“ für ihren Machterhalt unverträglich ist.

Ich habe mich schon oft über bestimmte Artikel im SPIEGEL geärgert, zum Beispiel Ihre Berichterstattung vor und nach G20, aber vor allem über die Einseitigkeiten besonders von Jacob Augstein und Dietz und etlichen anderen im SPON aber auch in den Meinungsspalten im SPIEGEL. Das habe ich ertragen weil es als Gegengewicht Fleischhauer gab. Aber jetzt hat der SPIEGEL die ROTE LINIE überschritten. Mit der Manipulation der Bestsellerliste haben Sie manifestiert dass dem SPIEGEL die Meinung der ANDEREN zuwider ist, dass der SPIEGEL sie nicht tolerieren will oder kann, einfach weil sie am SPIEGEL Weltbild rüttelt. Ich spreche Ihrere Bestsellerliste und von „Finis Germania“. Dazu muss ich gestehen, dass mir Ihre Bestsellerliste ziemlich gleichgültig ist, ich benutze sie nie, aber ich bin seit meiner Jugend grundstätzlich gegen Manipulation und Unterdrücken von Meinungen. Ich konnte von Hannover aus beobachten, wie Arthur von Schnitzler im DDR Schwarzen Kanal die eigenen Bevölkerung manipulierte und anlog, und schätzte mich glücklich, im „Westen“ zu leben wo man ohne Gefahr und Furcht kommunistischen Schriften von Marx bis Lenin kaufen und lesen konnte, während der SPIEGEL in der SBZ/DDR als subervsive Schrift galt, also etwas was man verbieten und unzugänglich machen musste.

Jetzt hat die Praxis der DDR den SPIEGEL eingeholt und der SPIEGEL macht jetzt das was die DDR gut konnte: der SPIEGEL gängelt und erzieht mich, drückt mir auf was ich lesen darf oder was nicht, und das geht mir so gegen den Strich, das können Sie sich kaum vorstellen. Nun ist es ihnen belassen zu veröffentlichen was sie wollen, Sie sind ein freies Unternehmen, aber ich muss Ihre Vorgehensweisen nicht unbedingt unterstützen.

Aus diesem Grunde möchte ich mit dieser Email mein Abonnement des Elektronischen SPIEGEL-Magazins kündigen zum nächstmöglichen Termin, es lohnt sich nicht mehr ihn zu lesen, der Erkenntniswert ist fraglich, weil ich nicht mehr weiß was mir an relevanten Informationen vorenthalten wird, oder wie Fakten gedreht werden, damit sie einem (Ihrem) politischen Weltbild entsprechen. Das tut mir leid aber ich bin sicher dass Sie mich ohnehin in irgendeine Rechte Ecke stellen werden, und damit nicht dialogfähig für Sie. Das ist mir allerdings ziemlich egal.

Mit freundlichen Grüßen,...."