Manchmal hilft es, wenn man ebenso hinterfragt, wieso man etwas hinterfragt.

Es ist ein wenig, wie wenn man einmal einen Kanon aus einer anderen Perspektive betrachtet und es einem wie Schuppen von den Augen fällt, dass alles nur innerhalb dieser Blase stattfindet. Diese Erkenntnis kann aber auch darüber hinwegtäuschen, dass man selbst wiederum nur in einer Blase existiert und von dieser aus den Kanon zwar betrachtet, aber auch nur von einer Seite her.

Aktuell werden Meinungen mir viel zu viel Bedeutung zugemessen -- eine Entwicklung des Internetzeitalters, das schon seit vielen Jahren anhält -- anstatt in umfängliches Wissen zu investieren. Man MEINT die Welt wäre Schwarz und Weiß, tatsächlich ist sie aber farbig und kommt in vielen Schattierungen daher. Wissen ist unendlich und wandelt sich wie die Welt, die sie abbildet -- klar, dass das verwirrt -- aber es lehrt auch in Thesen zu denken, in Möglichkeiten und auch in Perspektiven.

Anstatt also Meinungen Glaubwürdigkeit zu attestieren, nur weil sie ständig im Internet (oder den Medien) wiederholt werden, sollte man sich stets fragen, wie realistisch etwas ist. Das wird natürlich getan, wenn auch gerne unter Berufung auf die eigene Sicht der Welt -- des Abbilds der Welt in unserem Kopf. Doch, und da kann ich mich selbst auch nicht herausnehmen, ist die Welt in unserem Kopf nie deckungsgleich mit der realen Welt und muss daher ständig und immer wieder kalibriert werden. Und dieses Kalibrieren sehe ich aktuell in Gefahr, wenn man auf der Weltsicht von Meinungen beharrt und sich so -- bewusst oder unbewusst -- selbst radikalisiert.