Heute war im Mittagsmagazin Ulrich Matthes zu Gast, ein Schauspieler, den ich sehr schätze, allein sein Goebbels war oscarreif. Aber auf Propaganda konnte wieder nicht verzichtet werden, offenbar soll jeder seine Gelegenheit bekommen, Haltung zu zeigen. Und da sind diese fühlenden Künstler höchst willkommen. Die Gesellschaft bräuchte wieder mehr Empathie, schwadroniert er, als hätte sie nicht unlängst ein Allzeithoch an triefigem Mitleid, das er in seiner Begriffsunkenntnis eigentlich meint, erlebt. Es müsse viel mehr Filme und Sendungen geben, die Anstand vermitteln. Noch mehr als eh schon, und sicherlich auf Kosten derjenigen, die sich einer Erziehung in seinem Sinne moralischer Überlegenheit so hartnäckig widersetzen. Der Interviewer schien fast gerührt vor Dankbarkeit und pflichtete umfänglich bei. Ein Einwand, dass man mit Mitleid alleine keine Politik gestalten kann und stets auch Vernunft walten lassen und Recht und Gerechtigkeit beachten muss, der kam freilich nicht. Woher auch? Denken hat ja etwas Berechnendes, Kaltes, und ist somit pfui!