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Wissenschaft vs Glaube

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Malone
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Post: #1
Wissenschaft vs Glaube

Ich glaube in der Tat, dass die Erde rund ist. Wenn nun jemand zu wissen meint, dass die Erde flach ist, und mich aufgrund meiner mutmaßlichen Beschränkheit beleidigt und verspottet, wie reagiere ich dann? Werde ich wütend und offenbare ein unterirdisches Niveau? Bedrohe ich den Angreifer an Leib und Leben? Drohe ich dem Hurensohn, seine Mutter zu ficken? Nö. Ich bin mir ja sicher, im Recht zu sein und lasse die Anfeindungen an mir abperlen wie Wasser an einer Merkelpfanne. Wenn aber in meinem Unterbewusstsein Zweifel an mir nagen würden, die mich quälen, dann müsste ich jeden, der diese Zweifel nährt und damit mein Leiden verschärft, mit aller Vehemenz abweisen. Mein Zetern und meine Verwünschungen würde ich so laut äußern, dass ich die sich einschleichenden Bedenken übertöne, damit sie bloß nicht zum Dünger meiner inneren Qualen werden. Welche so unerträglich wären, dass ich sogar mein Leben opfern würde, auf dass ich sie nicht mehr spüren müsste.

Wie kommt es nun, dass mein Glauben an die Wissenschaft derart gefestigt ist, dass ich keine übertriebenen Abwehrreaktionen nötig habe, während ein Religiöser bei Kritik eher mehr als weniger austickt? Meine Gewissheit begründet sich unter anderen im Funktionieren: In Technik umgesetzte Wissenschaft erweist in der Regel ihre Tauglichkeit in der Realität. Gebete und Beschwörungen hingegen bewirken nichts. Eine schmerzhafte Erfahrung für den Gläubigen, die mancher sich damit erklärt, dass er noch nicht gläubig genug sei. Zum anderen weist die Wissenschaft eine hohe Widerspruchsfreiheit auf, die im extrem Kleinen und im extrem Großen zwar auf die Probe gestellt wird, aber letztlich zu noch größeren Erkenntnisbemühungen anspornt. Im Glauben hingegen stechen die Widersprüche geradezu peinlich ins Auge: Ein Gott, der über alles erhaben sein sollte, schert sich um die Anerkennung jedwedes Deppen? Er ist denkbar eitel und eifersüchtig, schmäht aber Menschen mit diesen Eigenschaften. Er betont bei jeder sich bietenden Gelegenheit seine Barmherzigkeit, um sich ein paar Zeilen weiter als sadistisches Monstrum zu entpuppen.

Und gerade der Glaube, in dem diese Ungereimtheiten am offensichtlichsten sind, zeitigt die aggressivsten Reaktionen gegenüber kritischen Stimmen. Kein Wunder!


Politischer Test Test site from Ars Regendi for the evaluation and comparison of political alignments

Please post questions always in the forum and do not message them to me!

Autor der Blüte des Zweifels
26.09.2018 23:37
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Post: #2
RE: Wissenschaft vs Glaube

Hm wenns an dir so abperlt . Wieso bringst du
dann so oft diesen Sachverhalt.Kopfkratz


War bei der Landtagswahl
27.09.2018 01:54
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TheLastShah
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Post: #3
RE: Wissenschaft vs Glaube

Wer gefestigt im Glauben ist, wird mit Gelassenheit auf alles Äußere reagieren. Zumindest habe ich den Dalai Lama noch nie wüst rumpöbeln hören ^^ alle anderen Nutzen ihren „Glauben“ doch einfach nur als Waffe in einem Kampf um die Macht - sei es bei den Anti-Vaxxern, bei der Flat-Earth-Society („we have members all around the globe”), Evangelikalen (Ungeborene Fötus hat mehr Rechte als ein geborenes Kind), Faschlamisten (Tötet alle, die nicht mit mir übereinstimmen) usw. Wölfe und Schafe spielen sich dabei gegenseitig in die Hände.

Zu „Wissenschaft vs Glaube“ vielleicht ein anderer Blickwinkel: Es sind keine Gegensätze, sie sind nicht mal auf einer Skala verortet.


...wartet immer noch darauf, dass Nietzsche zurückkehrt. Geniales RP findet man hier.

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27.09.2018 16:29
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Post: #4
RE: Wissenschaft vs Glaube

TheLastShah Wrote:
Wer gefestigt im Glauben ist, wird mit Gelassenheit auf alles Äußere reagieren. Zumindest habe ich den Dalai Lama noch nie wüst rumpöbeln hören ^^ alle anderen Nutzen ihren „Glauben“ doch einfach nur als Waffe in einem Kampf um die Macht - sei es bei den Anti-Vaxxern, bei der Flat-Earth-Society („we have members all around the globe”), Evangelikalen (Ungeborene Fötus hat mehr Rechte als ein geborenes Kind), Faschlamisten (Tötet alle, die nicht mit mir übereinstimmen) usw.


Ich bin mal ganz ketzerisch (wie immer) und behaupte: das liegt nicht an der Glaubensfestigkeit (auch @Malone), sondern an der Art des Glaubens.
Der Dalai Lama ist Buddhist. Für seinen Glauben ist es eine Auszeichnung, eben NICHT rumzupöbeln, sondern selbst auf Anfeindungen ruhig zu reagieren (als Priester). Der Wissenschafts"gläubige" legt ebenfalls sehr viel Wert darauf, dass seine Überzeugung beweisbar oder zumindest logisch darlegbar ist - was wiederum gegen ein wildes Drohen und Lamentieren spricht.
Drohungen allgemein werden vor allem von denen ausgesprochen, die einen Glauben haben, der eben nicht auf "Überzeugung" und "Argumentation" sowie "Vorbild" basiert, sondern auf "Universalitätsanspruch", "Richtigkeit des Schrifttums" und "Alle anderen sind Ungläubige", die am besten auch noch vernichtet gehörten.
Es gibt also offensichtlich verschiedene Arten von "Glauben", von Religion und Wissenschaft einmal abgesehen - also verschiedene Arten von Religion:
a) solche, die sehr stark auf Vorbild und Überzeugung (im Argumentativen Sinne) setzen, keine Gewalt gegen Abweichler und Andersgläubige vorsehen und mit Kritik daher gut umgehen können.
b) solche, die sehr stark auf "einzigartige Richtigkeit", Unterdrückung von Abweichlern (statt argumentativer Überzeugung), Gewalt gegen Abweichler und Andersgläubige, und vor allem den Universalitätsanspruch setzen. Da diese Religionen per Definition ihrer Religionsgründer "richtig" sind und jede Kritik daran "Unglaube, der vernichtet gehört", können sie nicht mit Kritik umgehen.
c) Religionen, die in sich zu zersplittert sind, um überhaupt einen "Richtigkeitsanspruch" geltend machen zu können - also Individuelle Religionen, wie Wicca, Neoheidentum, moderner Mithraismus usw. Diese Religionen sind für Andersgläubige und Abweichler alleine deswegen schon ungefährlich, weil ihre Anhänger (in den meisten Fällen) sehr wohl erkennen, dass sie selbst auch als Abweichler gelten könnten, weil sie eben auch nur eine Minderheit im Glauben darstellen. Individualreligionen haben den Vorteil, dass man sie anpassen kann. Dadurch haben sie auch den Vorteil, dass es keine "richtig oder falsch"-Diskussionen geben kann (außer in Extremfällen) und dass alles, was sich unter dem jeweiligen Dach zusammenfindet, eben individuell richtig ist.

Von diesen 3 Typen ist nur B tatsächlich eine Gefahr. Alle anderen sind in ihrer Wirkung auf dritte zumindest gefahrlos.

Quote:
Zu „Wissenschaft vs Glaube“ vielleicht ein anderer Blickwinkel: Es sind keine Gegensätze, sie sind nicht mal auf einer Skala verortet.


Dem würde ich zustimmen. Ein Einwurf allerdings: Wissenschaft kann zu Glaube werden. Und Glaube kann wissenschaftlich betrachtet werden.


Falls bei einem Quote kein Name steht, geht davon aus, dass der letzte Name immer noch gilt und es derselbe Post war!
Ich halte mich an meine Zitatregeln: beim ersten Zitat aus einem Post wird ein [" Quote= ]" gesetzt. Danach bis ein neuer Poster oder ein neuer Post kommt, nur ein "[ Quote "]. Falls ich zwischen Postern hin-und-herspringe, nenne ich den Poster auch häufiger.


Si vis pacem para bellum

"Alles, was der Mensch ist und was ihn über das Tier hinaushebt, dankt er der Vernunft. Warum sollte er gerade in der Politik auf den Gebrauch der Vernunft verzichten und sich dunkeln und unklaren Gefühlen und Impulsen anvertrauen?" (Ludwig von Mises)
28.09.2018 03:05
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Jozilla
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Post: #5
RE: Wissenschaft vs Glaube

Ich wage da eine ganz andere Klassifizierung der Menschen.
Es hat eher etwas damit zu tun wie mit eigenem Irrtum umgegangen wird und der Umgang mit dem was man Begreifen und auch nicht Begreifen kann.
Religiöser Kram hat eben den vorteil dass er meistens intuitiver ist. Was man im religiösen Sinne in der Welt nciht versteht ist halt der Wille des Zoos er imaginären wesen.
In der Wissenschaft muss man sich da eigentlich eingestehen, dass man keine Ahnung hat.aber auch hier werden fehler gemacht und die Wissenschaft ist auch nciht vor Indoktrination sicher. Ein schönes beispiel ist da die verteilung der Geschmacksknospen auf der Zunge. Da war es lange Zeit eigentlich unmöglich fden geschmack von FLeisch unmöglich zu beschreiben und der grund warum ist ja doch intuitiv genug: man Schmeckt es, aber auf den Zungendiagrammen ist nichts drauf mit dem das schmeckbar sei.
Mittlerweile ist da nachgebessert worden, aber auch das kommt nicht von alleine. Das kommt immer durch die zweifelnden Wissenschaftler.
Das Blöde ist auch noch, dass viele Menschen von der Wissenschaft eine Omnipotenz erwarten, die es einfach nciht gibt.

Letztendlich Wissenschaft kann herausfinden warum Menschen sterben und es oft verhindern, aber eben nciht immer.
Religion macht Leid und Tod zur konsequenz eines verstoßes gegen ein Regelkonstrukt und macht den Menschen selbst trotzdem dadurch zu einem dernun doch handeln kann.
Wenn ein Asteroid auf die Erde zufliegt können die Religiösen beten, wirklich Handeln, tun sie dann nur im religiösen Sinne.
Die Wissenschaftler sind dann diejenigen die das Gottesurteil in Frage stellen. Wenn ein "Gottesurteil" durch irdisches Handeln verhindert werden kann, dann ist es schlicht einfach keins.
Langsam ist es nur so, dass die Selektive wahrnehmung zunimmt gerade bei dem was Wissenschaft und technik bisher nciht "besiegen" konnten oder durch sie selbst erst Entdeckt oder entstanden ist.
Die Religion macht es da eben einfacher: Man hat sich vor vielen Freuden fernzuhalten und wenn was schiefgeht liegt es nur daran, dass man das nicht getan hat, oder zu wenig gebetet hat... oder wie bei den Zeugen Jehovas zu wenig missioniert hat, weil der Himmel schon überfüllt sein muss. Gibt da ja angeblich nur 144000 Plätze.


Für den Frieden zu kämpfen ist wie für die Jungfräulichkeit zu ficken.
Was ist der natürliche Weg um wieder echte Jungfrauen zu bekommen?

Kooperation ist besser als Konkurenz, andernfalls wären Kartellämter sinnlos
30.09.2018 21:47
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Schneeeule
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Elbneissien
Post: #6
RE: Wissenschaft vs Glaube

Man sollte hier nicht Glaube und Religion in einen Topf werfen.

Ich denke, Malone bezieht sich hier auf den Glauben als Welterklärungsmodell, das dem Welterklärungsmodell der Wissenschaft eben entgegen steht.

Dabei ist es keinesfalls so, dass das eine Welterklärungsmodell logisch begründet wäre, das andere (des Glaubens) hingegen irrational sei.

Denn auch ein Glaube ist rational, da dessen Erklärungsmodelle die Wirklichkeit idR logisch kohärent abbilden.

Der Unterschied zwischen Wissenschaft und Glaube liegt in den Vorannahmen begründet, sowie in der Methode ihrer Generierung, die allerdings für den '(Wissenschafts-) Gläubigen' weniger von Belang sind als die schiere Überzeugung zu einer Gruppe mit einem bestimmten Denkmuster dazuzugehören, wobei wir hier den Bereich der Religion betreten.

Denn die minimalste Vorannahme ist immer, dass man jemandem glauben muss. Wobei es innerhalb der Methodik der Wissenschaftlichkeit vs. der Geistlichkeit eklatante Unterschiede gibt, da erstere auf die Generierung von Erkenntnis (dem Schaffen von Wissen) fokussiert ist, während die letztere auf die Generierung von Erkenntnissen innerhalb eines vordefinierten Systems, an das geglaubt werden muss, beschränkt ist.

Die Weitsicht des Glaubens ist somit immer auf die Relation zum Kanon (vordefinierten System) beschränkt, wohingegen die Wissenschaft keine Grenzen akzeptiert. Und hierfür ist wiederum die Diskussion um die Erdenscheibe eine schöne Analogie.

In dieser Hinsicht ist der Glaube eine frühe Form der Wissenschaft.

Auf der anderen Seite sind Glauben auch ich nenne es mal 'Relieve Systems', d.h. es geht den Gläubigen nicht um Erkenntnis, sondern um emotionale wie soziale Sicherheit, da sie sich gut damit fühlen innerhalb eines vorgesteckten Rahmens zu agieren. Wobei hier der Übergang zur Religiösität schwammig ist?

This post was last modified: 01.10.2018 04:42 by Schneeeule.

01.10.2018 04:36
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Jozilla
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Post: #7
RE: Wissenschaft vs Glaube

Schneeeule Wrote:
In dieser Hinsicht ist der Glaube eine frühe Form der Wissenschaft.

Auf der anderen Seite sind Glauben auch ich nenne es mal 'Relieve Systems', d.h. es geht den Gläubigen nicht um Erkenntnis, sondern um emotionale wie soziale Sicherheit, da sie sich gut damit fühlen innerhalb eines vorgesteckten Rahmens zu agieren. Wobei hier der Übergang zur Religiösität schwammig ist?


Wissenschaft ist eigentlich genau das Extrem das keine "Frühe Form" zulässt.
Es bedeutet die Kompromisslose Annahme dass es eben nichts "höheres" Existiert, das die welt beeinflusst.
Stößt die Wissenschaft auf nciht erklärbare Phenomäne, so wird nur angenommen, dass die erklärung bisher nur unbekannt ist und eben keine höhere Macht dafür verantwortlich ist.
Deswegen ist mittlerweile die Westliche Theologie davon abgerückt "Gott" im nciht erklärbaren zu suchen.
Es wurde als passiver gottesbeweis betrachtet, dass nciht alles auf der Welt erklärbar ist. Das unerklärliche wird allerdings immer weniger.
Damit ist eine Glaubenskrise bei jeder wissenschaftlichen erkenntnis eigentlich vorprogrammiert.
Spätestens wenn Religion in verbindung mit Machtpolitik hat, ist es alles andere als förderlich fpür den menschen.
Die Wissenschaft erschwert gewaltig ein Schwarz-Weiß-Denken; da es keine Sünde gibt und selbst die Bewertung durch andere Menschen ist begrenzt, auch wenn absichtlich falsche messergebnisse und betrügerei leider auch nciht vor der wissenschaft halt machen. Diese ist alles andere als unfehlbar und das ist auch gut so. Die deckungsmenge von Wissenschaft und der "Realität" wird nie identisch sein. Eine alternative gibt es allerdings leider nicht. Irgendjemand wird leider immer "Wissenschaftliche" ergebniss für seine Zwecke deuten.


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03.10.2018 01:16
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Elbneissien
Post: #8
RE: Wissenschaft vs Glaube

Jozilla Wrote:
Wissenschaft ist eigentlich genau das Extrem das keine "Frühe Form" zulässt.
Es bedeutet die Kompromisslose Annahme dass es eben nichts "höheres" Existiert, das die welt beeinflusst.
Stößt die Wissenschaft auf nciht erklärbare Phenomäne, so wird nur angenommen, dass die erklärung bisher nur unbekannt ist und eben keine höhere Macht dafür verantwortlich ist.

Für die Generierung von Wissen stimmt das natürlich und genau das war auch meine obige Aussage. Wobei ich eben Geistlichen, und auch historischen Glaubensformen nicht per se eine Wissenschaftlichkeit absprechen möchte, nur weil sie keine Wissenschaft im gegenwärtigen Sinn betreiben. Oder würdest du sagen Theologie kann nicht auch wissenschaftlich betrieben werden?

Wissenschaftlichkeit an sich sagt nichts über den Rahmen aus, in dem sie stattfindet.

Quote:
Die Wissenschaft erschwert gewaltig ein Schwarz-Weiß-Denken; da es keine Sünde gibt und selbst die Bewertung durch andere Menschen ist begrenzt, auch wenn absichtlich falsche messergebnisse und betrügerei leider auch nciht vor der wissenschaft halt machen. Diese ist alles andere als unfehlbar und das ist auch gut so. Die deckungsmenge von Wissenschaft und der "Realität" wird nie identisch sein. Eine alternative gibt es allerdings leider nicht. Irgendjemand wird leider immer "Wissenschaftliche" ergebniss für seine Zwecke deuten.

Die Wissenschaft generiert Erklärungsmodelle für die Realität. Damit beschreibt sie keineswegs die Realität selbst, sondern sie nähert sich in ihren Modellen der wahrgenommenen Realität an. Deshalb ist jede Aussage, und sei sie noch so absolut, immer an bestimmte Bedingungen geknüpft, unter denen diese gilt. Aus dem selben Grund gibt es eben so etwas wie reine Objektivität nicht, sondern lediglich Versuche durch wissenschaftliches Arbeiten eine möglichst reine Objektivität, d.h. Beschreibung der wahrgenommenen Realität herzustellen.

Schwierig finde ich eher den Glauben an die Wissenschaft. Denn dieser ist eben gerade dadurch unwissenschaftlich.

04.10.2018 08:42
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Post: #9
RE: Wissenschaft vs Glaube

Schneeeule Wrote:
Für die Generierung von Wissen stimmt das natürlich und genau das war auch meine obige Aussage. Wobei ich eben Geistlichen, und auch historischen Glaubensformen nicht per se eine Wissenschaftlichkeit absprechen möchte, nur weil sie keine Wissenschaft im gegenwärtigen Sinn betreiben. Oder würdest du sagen Theologie kann nicht auch wissenschaftlich betrieben werden?

Wissenschaftlichkeit an sich sagt nichts über den Rahmen aus, in dem sie stattfindet.

Das ist ja der Sinn der sache; es soll hier keinen Rahmen geben.
Theologie ist in dem sinne ein Sonderthema. Theologie ist allerdings institutionell eingehegt. Erkenntnisse aus dem Betreiben von Theologie sind von sich aus wieder in abhängigkeit was als Argumentationsgrundlage zulässig ist. Letztendlich sind die erkenntnisse daraus immer eine frage der "zulässigkeit" und nicht der Plausibilität. Das ist gegen das grundprinzip der Wissenschaft, selbst wenn die Methodik ähnlichkeiten haben sollte.

Schneeeule Wrote:
Die Wissenschaft generiert Erklärungsmodelle für die Realität. Damit beschreibt sie keineswegs die Realität selbst, sondern sie nähert sich in ihren Modellen der wahrgenommenen Realität an. Deshalb ist jede Aussage, und sei sie noch so absolut, immer an bestimmte Bedingungen geknüpft, unter denen diese gilt. Aus dem selben Grund gibt es eben so etwas wie reine Objektivität nicht, sondern lediglich Versuche durch wissenschaftliches Arbeiten eine möglichst reine Objektivität, d.h. Beschreibung der wahrgenommenen Realität herzustellen.

Schwierig finde ich eher den Glauben an die Wissenschaft. Denn dieser ist eben gerade dadurch unwissenschaftlich.

Da stimme ich zu, wobei das anhaften an Modellen da leider die Wissenschaft "vermenschlicht".
Menschen lernen nunmal gewisse modelle und bleiben diesen oft mehr treu, als dem vermehrten wissenserwerb zuträglich ist.
Das fällt mir immer wieder im Imkerverein auf wenn mal wieder die Satzung geändert werden soll. Bei mir im Imkerverein ist in der Satzung festgelegt dass nur die Haltung der Rasse "Carnica" zu fördern sei.
Deren hauptargument warum das so bleiben soll ist immer "haben wir immer so gemacht" und "da wird es ja sinnlos, dass wir gelernt haben wie die Behaarung und die Flügel als Rassemerkmale zu bewerten sind, wenn da andere Bienenrassen zulässig sind."
gemeint ist damit hauptsächlich diese Bienenrasse https://de.wikipedia.org/wiki/Buckfast-Biene
Bei dieser ist die optische Erscheinung kein Bewertungskriterium.
Die anderen Ängste der alten Herren sind dass es weniger sanftmütigere Bienen gäbe, aber das schon längst empirisch widerlegt (Zumindest aus den Buckfast, lingustica und den Carnicas).
Solange niemand afrikanische Bienen einschleppt ist das auch keine wirklich ernste sorge. Weil sonst aber die Sitzungen keine ergebnisse mehr bringen würden wenn das beschlossen würde, müssen wir damit abwarten bis die meisten der alten Herren das Zeitliche gesegnet hat.
Dieses Beispiel verdeutlicht aber die Probleme vom umgang mit modellen und wissen: selbst das was als veraltet gilt, hat so lange anhänger, bis diese aus dem verkehr gezogen wurden, oder ein modell so grundlegend versagt, dass, bessere Modelle in allen anwendungsbereichen zuverlässigere vorhersagen bieten.


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04.10.2018 14:13
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Post: #10
RE: Wissenschaft vs Glaube

adder Wrote:

TheLastShah Wrote:
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Ich bin mal ganz ketzerisch (wie immer) und behaupte: das liegt nicht an der Glaubensfestigkeit (auch @Malone), sondern an der Art des Glaubens.
Der Dalai Lama ist Buddhist. Für seinen Glauben ist es eine Auszeichnung, eben NICHT rumzupöbeln, sondern selbst auf Anfeindungen ruhig zu reagieren (als Priester). Der Wissenschafts"gläubige" legt ebenfalls sehr viel Wert darauf, dass seine Überzeugung beweisbar oder zumindest logisch darlegbar ist - was wiederum gegen ein wildes Drohen und Lamentieren spricht.
Drohungen allgemein werden vor allem von denen ausgesprochen, die einen Glauben haben, der eben nicht auf "Überzeugung" und "Argumentation" sowie "Vorbild" basiert, sondern auf "Universalitätsanspruch", "Richtigkeit des Schrifttums" und "Alle anderen sind Ungläubige", die am besten auch noch vernichtet gehörten.
Es gibt also offensichtlich verschiedene Arten von "Glauben", von Religion und Wissenschaft einmal abgesehen - also verschiedene Arten von Religion:
a) solche, die sehr stark auf Vorbild und Überzeugung (im Argumentativen Sinne) setzen, keine Gewalt gegen Abweichler und Andersgläubige vorsehen und mit Kritik daher gut umgehen können.
b) solche, die sehr stark auf "einzigartige Richtigkeit", Unterdrückung von Abweichlern (statt argumentativer Überzeugung), Gewalt gegen Abweichler und Andersgläubige, und vor allem den Universalitätsanspruch setzen. Da diese Religionen per Definition ihrer Religionsgründer "richtig" sind und jede Kritik daran "Unglaube, der vernichtet gehört", können sie nicht mit Kritik umgehen.
c) Religionen, die in sich zu zersplittert sind, um überhaupt einen "Richtigkeitsanspruch" geltend machen zu können - also Individuelle Religionen, wie Wicca, Neoheidentum, moderner Mithraismus usw. Diese Religionen sind für Andersgläubige und Abweichler alleine deswegen schon ungefährlich, weil ihre Anhänger (in den meisten Fällen) sehr wohl erkennen, dass sie selbst auch als Abweichler gelten könnten, weil sie eben auch nur eine Minderheit im Glauben darstellen. Individualreligionen haben den Vorteil, dass man sie anpassen kann. Dadurch haben sie auch den Vorteil, dass es keine "richtig oder falsch"-Diskussionen geben kann (außer in Extremfällen) und dass alles, was sich unter dem jeweiligen Dach zusammenfindet, eben individuell richtig ist.

Von diesen 3 Typen ist nur B tatsächlich eine Gefahr. Alle anderen sind in ihrer Wirkung auf dritte zumindest gefahrlos.

Quote:
Zu „Wissenschaft vs Glaube“ vielleicht ein anderer Blickwinkel: Es sind keine Gegensätze, sie sind nicht mal auf einer Skala verortet.


Dem würde ich zustimmen. Ein Einwurf allerdings: Wissenschaft kann zu Glaube werden. Und Glaube kann wissenschaftlich betrachtet werden.


Kissr44x20


...wartet immer noch darauf, dass Nietzsche zurückkehrt. Geniales RP findet man hier.

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08.10.2018 23:04
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